
Das Bier erfindet sich neu – und das schmeckt man. Ob alkoholfrei,
fruchtig-bunt oder praktisch aus der Dose: Was einst als Kompromiss galt,
ist heute erste Wahl.
Dieser Beitrag „Weniger Alkohol, mehr Geschmack“ ist am 15. Mai 2026 in der Juni-Ausgabe des „tankstelle“-Magazins erschienen.
In Deutschland werden rund 1.500 Brauereien geführt – doch die aktuelle Lage ist herausfordernd. „Der Bierabsatz ist seit Jahren rückläufig, unter anderem bedingt durch demografische Entwicklungen sowie aktuell durch die anhaltende Konsumflaute“, erklärt Nina Göllinger, Pressesprecherin des „Deutschen Brauer-Bundes e.V.“. Klassische Bierkategorien seien zwar rückläufig, doch dafür entwickelten sich andere Segmente deutlich positiver, betont Göllinger. Eine ausgewogene Angebotsvielfalt spielt daher heute eine zunehmend relevante Rolle. Laut der Pressesprecherin könnten Tankstellen einen wichtigen Impuls setzen, „indem sie ihr Sortiment weiterhin an veränderte Konsumgewohnheiten anpassen und die Angebotsvielfalt der Brauereien aufgreifen.“ Dazu zählen laut Göllinger insbesondere eine größere Vielfalt an alkoholfreien Bieren, innovativen Biermischgetränken sowie regionalen und handwerklich gebrauten Spezialitäten.
Tom Inden-Lohmar, Head of Brands and Marketing bei „Oettinger Getränke”, weiß: „Angesichts der großen Bierabsatzflaute vor allem in den letzten Jahren wird man Bier neu denken müssen.“ Was die Zukunft laut Inden-Lohmar also mit sich bringt: Getränkekreationen, die an Bier erinnern, aber anders heißen, und Trink-Anlässe, die sich von den heutigen unterscheiden.
Alkoholfreies Bier ist fest etabliert
Das Segment der alkoholfreien Biere hat sich einen festen Platz im Sortiment erkämpft: Mittlerweile liegt das Alkoholfreie mit einem Marktanteil von 9,5 Prozent auf Platz drei der Beliebtheitsskala der Deutschen („Deutscher Brauer-Bund“, 02.02.2026). „Kein anderes Segment der Brauwirtschaft hat in den letzten zwanzig Jahren so stark zugelegt wie alkoholfreie Biere und alkoholfreie Biermischgetränke“, betont Nina Göllinger vom „Deutschen Brauer-Bund“. Dass alkoholfreie Biere immer beliebter werden, liege laut Göllinger neben einem wachsenden Gesundheitsbewusstsein auch an den veränderten Konsum- und Lebensgewohnheiten der Menschen. „Diese Haltung zu einem bewussten Lebensstil und die damit einhergehende steigende Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen haben dazu beigetragen, dass sich alkoholfreie Biere immer stärker etabliert haben“, erklärt die Pressesprecherin. Hinzukommend habe sich nicht nur der Geschmack der Alkoholfreien enorm verbessert, sondern auch die Qualität und Vielfalt der Alkoholfreien erhöht, sagt Göllinger. Die meisten Hersteller führen heute mindestens ein alkoholfreies Bier im Portfolio. So gibt es von „Oettinger Getränke“ das „5,0 Original Null Komma Null“, von „Krombacher“ das „o,0 % Herb“ und von „Heineken“ das „0.0“.
Eine breite Auswahl an Produkten überzeugt
Doch das Angebot an Bierprodukten mit wenig oder keinem Alkohol sei in Tankstellen völlig unterrepräsentiert, stellt Tom Inden-Lohmar von „Oettinger Getränke“ fest. Obwohl die Relevanz alkoholfreier Artikel spürbar zunehme – und die Zielgruppen „Gen Y“ und „Gen Z“ einen deutlich niedrigeren Alkoholkonsum als vorherige Generationen verzeichneten – befänden sich in vielen Tankstellen-Sortimenten lediglich ein alkoholfreies Bier und ein Radler. „Bezogen auf die Konsumpräferenzen der jungen ‚Gen Z‘ und ‚Gen Y‘ sollte hier auf jeden Fall mehr passieren“, unterstreicht Inden-Lohmar. Etliche Hersteller greifen den wachsenden Trend bereits gezielt in ihren Sortimenten auf.

Gerade im Convenience- und Tankstellenbereich spielen „spontane Kaufentscheidungen und der Wunsch nach erfrischenden, aber verantwortungsvollen Alternativen eine zentrale Rolle“, weiß Hagen Schlüter, Head of Marke bei „Bitburger“. Anfang des Jahres überarbeitete die „Bitburger Braugruppe“ ihre alkoholfreie Range und führt nun insgesamt acht alkoholfreie Biere und Biermixgetränke unter der Marke „Bitburger 0,0 %“ – zwei davon als limitierte Sommereditionen. Innovative alkoholfreie Biermixgetränke sprächen einerseits bewusst junge Bierkonsumenten an, andererseits positionierten sie sich vorrangig als gesündere Alternative zu Eistee oder klassischen Softdrinks. Auch „Gold Ochsen“ greift den Trend zu alkoholfreien und -reduzierten Bieren gezielt in den jüngsten Sortimentserweiterungen auf: Das „Oxx Drei Acht“ (3,8 % vol.) adressiert die veränderten Konsumgewohnheiten einer neuen Generation – hin zu einem gesundheitsbewussteren Lebensstil. Mit einer Stammwürze von 8,4 Prozent ist es leichter als das „Gold Ochsen Original“, das einen Stammwürzegehalt von 11,8 Prozent besitzt. „So lassen sich nicht nur die treuen Fans unserer Marke, sondern darüber hinaus ganz neue Zielgruppen ansprechen“, betont Ulrike Freund, Geschäftsführerin der „Brauerei Gold Ochsen GmbH“ und der „Ulmer Getränke Vertrieb GmbH“.
Es darf gerne fruchtig sein
Es ist eine klare Dynamik hin zu fruchtigen und geschmacklich leichteren Varianten erkennbar – besonders bei jungen Erwachsenen (YouGov, FMCG, 2024). Laut Jan Stickelmann, Sales Director bei „Heineken Deutschland“, bevorzugen Verbraucher alkoholische Getränke mit Fruchtgeschmack gegenüber klassischen Optionen. „Entsprechend spielen Geschmacksvielfalt und exotischere Fruchtprofile als Kaufimpuls eine große Rolle“, erklärt Stickelmann. Genau dort würden Innovationen wie das „Desperados Tropical Daiquiri“ oder das „Gösser NaturRadler Grapefruit“ ansetzen. Auch andere Hersteller greifen den Trend auf: Aus dem Hause „Bitburger“ gibt es das „Bitburger 0,0 %“ in den Sorten „Peach“, „Pineapple“ und „Passionfruit“.
„Aktuell punkten fruchtige und innovative Biermixe“, bestätigt auch Ulrich Biene, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der „Brauerei C. & A. Veltins“. Den Wunsch nach außergewöhnlichen Geschmacksrichtungen will „Veltins“ seiner „V+“-Zielgruppe erfüllen und launchte im Frühjahr das „V+ Saure Zungen Cherry“ als Limited Edition. Der fruchtige Mix aus 80 Prozent Bier und 20 Prozent Erfrischungsgetränk mit „Saure Zungen“- und Kirschgeschmack soll ein Erlebnis aus spritzigem Biermix und saurem Kirsch-Kick versprechen.
Helles ist und bleibt beliebt
Hellbiere zählen ebenfalls zum wachsenden Segment – aktuell belegen diese den zweiten Platz der Beliebtheitsskala der Deutschen („Deutscher Brauer-Bund“, 02.02.206). Deshalb sollten diese im Sortiment keinesfalls vermisst werden. So gibt es das alkoholfreie „Gold Ochsen Ulmer Hell“ oder das „5,0 Original Helles“.
Mit einem milden, ausgewogenen Geschmack und einer moderaten Bittere sprechen Hellbiere nicht nur klassische Bierliebhaber, sondern auch jüngere Konsumenten an. „Im Biermarkt zählen Hellbiere aktuell zu den favorisierten Sorten: ‚Veltins‘ hält mit dem ‚Helles Pülleken‘ und ‚Veltins Helles Lagerbier‘ beliebte Geschmacksalternativen parat“, unterstreicht Ulrich Biene, von der „Brauerei C. & A. Veltins“.
Die Verpackung gibt den Ton an
Verpackungsformate sind laut Jan Stickelmann, Sales Director bei „Heineken Deutschland“, ein „zentraler Absatzhebel, weil sie Kaufimpulse und -anlässe direkt berücksichtigen – ein breiter Mix bedient die verschiedenen Ansprüche.“ Die Dose als Verpackungsformat wird in den Hersteller-Sortimenten konsequent aufgegriffen und verzeichnete an Tankstellen im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum von plus 2,0 Prozent (Nielsen NIQ, TS (Tankstelle), Umsatz- und Absatzentwicklung, Bier und Biermix, MAT März 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum). Auch Tom Inden-
Lohmar bei „Oettinger Getränke“ weiß: „In Tankstellen ist und bleibt die Dose das dominierende Gebinde für Bier.“ Die goldene Tankstellen-Regel laute, so der Head of Brands and Marketing: „Je mehr convenient, je mehr ‚to go‘, desto besser.“ Philipp Voss, Key-Account-Manager Handel & E-Commerce bei der „Krombacher Brauerei“, betont zudem, dass auch nachhaltige Verpackungslösungen eine zunehmend wichtige Rolle für die Kaufentscheidung im Tankstellenumfeld spielten. Denn, so der Key-Account-Manager, „Verbraucher achten verstärkt darauf, dass Produkte sowohl umweltfreundlich verpackt als auch verantwortungsvoll hergestellt werden.“






Text: Tabea Schmelz


