
Die Preisentwicklung an den Tankstellen infolge des Krieges am Persischen Golf sorgt weiter für Diskussionen in Branche und Politik. Eine aktuelle Analyse des Verbands „Uniti“ zeigt nun: Während die Kraftstoffpreise vor Steuern und Abgaben auch in Deutschland deutlich gestiegen sind, fällt der Anstieg im EU-Vergleich weniger stark aus als in vielen anderen Mitgliedstaaten. Gleichzeitig zählt Deutschland bei der steuerlichen Belastung von Kraftstoffen weiterhin zur Spitzengruppe.
Auf Basis von Daten des „Weekly Oil Bulletin“ der Europäischen Kommission sind die Nettopreise für Diesel und Super 95 an deutschen Tankstellen zwischen dem 23. Februar 2026 und dem 23. März 2026 um rund 40 Prozent beziehungsweise 29 Prozent gestiegen. Damit liegt Deutschland im EU-Vergleich lediglich auf Rang 17 (Diesel) und Rang 16 (Super 95) unter den 27 Mitgliedstaaten. Deutlich höhere Anstiege verzeichneten unter anderem Tschechien, Polen und Frankreich.
Deutschland gehört zu Ländern mit hoher steuerlicher Belastung auf Kraftstoffe

Für den Tankstellenmarkt besonders relevant ist jedoch die zweite zentrale Aussage der Analyse: Deutschland gehört weiterhin zu den Ländern mit einer hohen steuerlichen Belastung auf Kraftstoffe.
Am Stichtag 23. März 2026 lag der Anteil von Steuern und Abgaben bei rund 46 Prozent für Diesel und etwa 55 Prozent für Super 95. Damit belegt Deutschland im EU-Vergleich Platz 7 beziehungsweise Platz 6.
Zu berücksichtigen ist dabei, dass der relative Steueranteil mit steigenden Produktpreisen sinkt. Vor Ausbruch des Konflikts lag dieser Anteil noch höher – bei 52 Prozent für Diesel und 60 Prozent für Super 95 (Stand: 23. Februar 2026).
Gleichzeitig profitiert der Staat von steigenden Preisen, da die Mehrwertsteuer prozentual auf den Gesamtpreis erhoben wird.

Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Debatte um mögliche Eingriffe in die Kraftstoffpreisbildung mahnt „Uniti“ zu einer sachlichen Betrachtung.
„Uniti“-Hauptgeschäftsführer Elmar Kühn: „Wir hoffen, dass die aktuell sehr aufgeregt geführte Debatte über hohe Kraftstoffpreise in Deutschland und Europa, die auf den Krieg am Persischen Golf und damit gestiegene Preise für Rohöl oder importierte Produkte wie Diesel zurückzuführen sind, versachlicht wird.
Über geeignete Maßnahmen, um die Folgen der Sperrung der Straße von Hormus für Wirtschaft und Verbraucher abzumildern, sollte auf der Basis von Daten und Fakten diskutiert werden.
In keinem Fall hilfreich sind gesetzgeberische Schnellschüsse wie etwa das Kraftstoffmaßnahmenpaket aus Spritpreisgesetz und Kartellrechtsverschärfungen, dessen Wirkung zweifelhaft ist, das aber ein Risiko birgt, gewaltigen Flurschaden für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland insgesamt anzurichten.“

Damit positioniert sich „Uniti“ klar gegen kurzfristige regulatorische Eingriffe in den Kraftstoffmarkt und verweist auf die Bedeutung einer faktenbasierten Diskussion – ein Aspekt, der für die weitere Entwicklung von Preisbildung, Wettbewerb und Rahmenbedingungen im Tankstellengeschäft entscheidend sein dürfte.


