tankstelle Technik – Flüssigkeitsdichter Beton für Tankstellen

Foto: Kortmann Beton GmbH

Im September 2025 fand der Industriedialog der Industrie- und Handelskammer sowie des Industriellen Arbeitgeberverbands der Region Osnabrück in Schüttorf statt. Gastgeber war die „Kortmann Beton GmbH“. Was das mit Tankstellen zu tun hat? Nichts, so zunächst die Annahme, doch die Präsentation des Unternehmens vor den Teilnehmern des Industriedialogs sollte eines Besseren belehren: Nach der Anmoderation trat Julian Krümpel auf die Bühne.

(Dieser Beitrag „Lego für Grosse“ ist in der April-Ausgabe des „tankstelle“-Magazins am 16. März 2026 erschienen.)

Julian Krümpel ist 41 Jahre alt, smart, locker, mit spannender Arbeitsbiografie, social-media-affin und Geschäftsführer der „Kortmann Gruppe“. In lockerer, sehr unterhaltender Form stellte er das gastgebende Unternehmen vor – und widmete sich in einem Großteil seiner Präsentation der Tankstellenbranche. „Fast alle Tankstellen
haben schon mit ‚Kortmann Beton‘ zu tun gehabt“, verriet er. Und während er verschiedene Betonelemente zeigte, die jede Tankstelle benötigt, wurde klar, dass dieser Besuch in Schüttorf nicht der letzte bleiben würde.

Acht Wochen später stand ein „tankstelle“-Reporter wieder vor der pompösen Firmenzentrale in Schüttorf, die für eine „Beton-Firma“ aus auffallend viel Glas besteht. Julian Krümpel hatte für das Magazin „tankstelle“ zu einem Besuch eingeladen. Recherchen der vergangenen Wochen hatten ergeben, dass „Kortmann“ ein Familienunternehmen in dritter Generation ist, 1950 gegründet wurde, mehr als 160 Mitarbeiter beschäftigt und sich mit Produktionshallen und vielem mehr über ein Firmengelände von 100.000 Quadratmetern erstreckt. Das ist viel, entspricht in etwa zwanzig Fußballfeldern.

Auf dem Gelände erhebt sich auch der intern so bezeichnete „Kortmann Mountain“. Aber dazu später mehr.

„Lego“ für die Tankstellen
Umweltschutz aus Beton: Die Absenkrinne bildet die Umrandung der Fläche – sie verhindert, dass anfallende Flüssigkeiten auf benachbarte Flächen übergehen.
Foto: „Kortmann Beton GmbH“

Weitere Recherchen hatten gezeigt, dass „Kortmann“ exzellentes Marketing betreibt und kürzlich von der „Zeit Verlagsgruppe“ als „Most responsible Employer“ ausgezeichnet wurde. Julian Krümpel hatte im Vorfeld bereits den Kontakt zu Mitarbeiterin Verena Strysio hergestellt. Nach der Registrierung im Foyer über ein Tablet des Unternehmens holte Verena Strysio den Besuch ab und führte in ein helles, modernes Büro. Die 30-Jährige ist seit elf Jahren im Unternehmen und als Vertriebsleiterin Umwelt und Anfahrschutz für das, was sie bildhaft als „‚Lego‘ für die Tankstellen“ beschreibt, zuständig. „Im Wesentlichen geht es um flüssigkeitsdichte Flächen“, sagte sie.

Tankstellen unterliegen in Deutschland vielen Regelungen und Bestimmungen. Da gibt es beispielsweise das Wasserhaushaltsgesetz, das penibel regelt, wie Grundwasser zu schützen ist und somit für jede Tankstelle relevant ist. Es schreibt für Tankstellen vor, dass alle Bereiche, in denen mit wassergefährdenden Stoffen umgegangen wird, so konstruiert sein müssen, dass eine Verunreinigung von Boden und Gewässern verhindert wird. „Letztlich muss bei einer Havarie das Grundwasser geschützt sein“, brachte es Strysio auf den Punkt. Das macht den Neubau oder das Sanieren von Tankstellen anspruchsvoll. Und genau hier setzt „Kortmann“ an, als „hidden Champion“, als ein Unternehmen, das nicht sofort jedem in den Kopf kommt, in seiner Sparte aber äußerst erfolgreich ist. „Es gibt keine Tankstelle, die nicht mindestens ein Produkt von uns verwendet“, so Strysio. Sie öffnet ihren Laptop und präsentiert „Tasiko“. Hinter der Abkürzung verbergen sich die Begriffe „Tankstelle – Sicherheit – Kortmann“.

Der Baukasten des „Lego“-Sets

Strysio zeigte Fotos von verschiedenen Betonelementen mit teils abenteuerlichen oder wohlklingenden Namen: Absenkrinne, Schlammfang, Verbundplatten und Goliathplatte. Und tatsächlich erinnerte dies alles an eine Bedienungsanleitung eines größeren ‚Lego‘-Sets, die auf den ersten Seiten alle Teile zeigt, die verbaut werden müssen. „Kortmann Beton“ garantiert mit diesem „Baukasten“, dass jede Fläche an Tankstellen passgenau und so sicher und umweltgerecht wie möglich bestückt werden kann.

Der Name kommt nicht von ungefähr – die Gloliathplatten messen eine Größe von 2,4 Meter auf 2,7 Meter. Sie zeichnen sich daher vor allem durch Belastbarkeit und Stabilität aus.
Foto: „Kortmann Beton GmbH“

Der Beton-Spezialist schreibt sich dabei auf die Fahnen, Neubauten und Sanierungen intensiv zu begleiten. Das Unternehmen arbeitet eng mit Planungsbüros zusammen, weist diverse Zertifikate auf, welche die Abnahme durch einen Gutachter nach Bauabschluss erleichtern. „Uns ist wichtig, dass die Projekte schnell und reibungslos über die Bühne gehen“, sagte Verena Strysio.

Und dann verdeutlicht sie anhand der Absenkrinne, welche Bedeutung die „Tasiko“-Elemente haben. Die Absenkrinne bildet die Umrandung der Fläche. Je nach Gefällesituation fließt dorthin alles, was auf dem Tankfeld heruntertropft oder vom Regen erfasst wird. Gleichzeitig verhindert die Absenkrinne, dass anfallende Flüssigkeiten auf benachbarte Flächen übergehen. Die Absenkrinne ist also betongewordener Umweltschutz, Präzisionsarbeit aus Schüttorf.

Betonelemente aller Art

Wenig später führte Verena Strysio über das Firmengelände, um zu zeigen, wie und wo die Absenkrinne produziert wird. Auf dem Weg zur Produktionshalle zeigte sie zunächst eine Ausstellung vieler „Tasiko“-Elemente, die Mitarbeiter extra für das Magazin „tankstelle“ drapiert hatten: Ins Auge sprangen sofort die gewaltigen, 270 mal 240 Zentimeter großen Goliathplatten, aber auch die für viele Tankstellen so typischen Sechseckverbundpflaster in verschiedenen Größen. Die Absenkrinnen waren selbstverständlich auch ansprechend aufgebaut, neben etlichen verschiedenen Anfahrschutzpollern, die in ihren unterschiedlichen Formen und verschiedenfarbigen Markierungen an Elemente für Minigolfbahnen erinnern – nur größer und wesentlicher schwerer. „Mit solchen Pollern wird beispielsweise die Tankstellentechnik auf den Zapfinseln geschützt“, erklärte Strysio. Sie seien so konzipiert, dass sie selbst heftige Stöße von Lkws abfangen.

Das Sechseckverbundpflaster ist für viele Tankstellen typisch. Die Betonplatten sorgen für eine sichere Flächenabdichtung.
Foto: „Kortmann Beton GmbH“

Auch die Zukunft wird hier aufgebaut: „Kortmann“ produziert in Schüttdorf in großer Stückzahl Fundamente für E-Ladesäulen, unter anderem für „Tesla“, „E.on“, „Amazon“ und ABB. „Wir schauen immer, wo wir mit Beton noch etwas revolutionieren können“, sagt Verena Strysio selbstbewusst. Auf dem Weg zur Produktionshalle zeigte sich der „Kortmann Mountain“, ein Sinnbild dafür, dass Nachhaltigkeit und Umweltschutz im Unternehmen eine große Rolle spielen. So sei „Kortmann“ eines der wenigen Unternehmen, das auch Beton recycelt. „In unseren Produkten steckt bis zu 15 Prozent recycelter Beton“, sagte Strysio. Andere Unternehmen lieferten alten Beton, auch deswegen erhebt sich in Schüttorf auf dem Gelände der „Kortmann Mountain“.

In der Produktionshalle, die wenig später erreicht wurde, ging es zu wie in einer Großbäckerei. Beton wurde in vorgefertigte Formen gekippt, gepresst und gelagert. Auch für die Absenkrinnen gab es hier entsprechende Formen. Vieles war hier automatisiert. Maschinen übernahmen die Qualitätskontrolle, meldeten Fehler in der Struktur von fertigen Elementen und tauschten diese automatisch aus. Was wegen mangelnder Qualität aussortiert wurde, landete auf dem „Kortmann Mountain“.

Vom Abitur bis heute

Verena Strysio arbeitet gern bei „Kortmann Beton“. Das war deutlich zu spüren. Als 19-Jährige hatte sie nach ihrem Abitur an einem Wirtschaftsgymnasium eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei „Kortmann“ begonnen.
Sie signalisierte schon früh, dass sie bereit ist, Verantwortung übernehmen zu wollen, studierte berufsbegleitend Wirtschaftspsychologie und BWL. Die Corona-Pandemie verhagelte ihr damals zwar ein geplantes Auslandsjahr in Neuseeland, stattdessen wurde sie jedoch zur Vertriebsleiterin ernannt – und das mit jungen 26 Jahren –, in einer Branche, die bis heute noch stark von Männern dominiert wird.

Schwung ins Unternehmen

Julian Krümpel, der Geschäftsführer von „Kortmann Beton“, hatte im selben Jahr, nämlich 2014, wie Verena Strysio seine Karriere bei „Kortmann“ begonnen. Nach einem BWL-Studium im Ansbach und langjährigem Wirken als Leiter mehrerer Bank-Filialen hatte ihn einer seiner besten Freunde, der Enkel des Unternehmensgründers von „Kortmann“, überzeugt, die Branche zu wechseln. Und seitdem bringt Julian Krümpel viel Schwung ins Unternehmen, was auch seine Beiträge auf der Plattform „LinkedIn“ belegen. Mal geht es um außergewöhnliche Abteilungsleitertreffen, mal um die gigantische Photovoltaik-Anlage, mit der „Kortmann“ bei der Energieversorgung eine Autarkiequote von fast 70 Prozent erreicht.

Und wenn Julian Krümpel bei Geschäftsreisen eine Tankstelle ansteuert, geht es ihm wie Verena Strysio: Der erste Blick geht immer nach unten. Wenn Krümpel dann „Tasiko“-Elemente aus Schüttorf erkennt, freut er sich, gönnt sich einen Eiskaffee, mitunter einen Burger und fährt weiter.

Text: Dr. Tobias Romberg

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