
Fruchtige Neuheiten, leichte Aperitif-Varianten und bekannte Longdrink-Klassiker sorgen im Segment Ready-to-Drinks (RTDs) für zusätzliche Impuls- und Mitnahmeumsätze im Kühlregal.
Dieser Beitrag „RTDs: Gekühlt, fruchtig, impulsstark“ ist am 15. Juni 2026 in der Juli-Ausgabe des „tankstelle“-Magazins erschienen.
Ready-to-Drinks (RTDs) haben sich im Tankstellenshop vom schnellen Zusatzartikel zu einer ganz eigenen Sortimentsgröße entwickelt. Was früher vor allem klassische Premixe wie Whisky-Cola oder Vodka-Energy bedeutete, ist heute deutlich breiter geworden: Fruchtige Cocktailvarianten, Aperitif-RTDs, weinhaltige Alternativen, zuckerreduzierte Rezepturen und neue Dosen- oder Glasformate konkurrieren um die Aufmerksamkeit im Kühlregal.
Der Reiz der Kategorie liegt dabei gerade in ihrer Einfachheit. RTDs benötigen keine Zubereitung und keine Erklärung – denn sie funktionieren als Begleiter für den Feierabend, für die Grillparty, für unterwegs oder als schneller Impuls vor dem Wochenende. Neben starken Marken und bekannten Geschmacksprofilen überzeugen RTDs aber auch durch ihre vielfältigen Innovationen. Die Kategorie wird also chancenreicher: Wer das Regal nur mit Standards befüllt, verschenkt Potenzial. Wer jedoch Klassiker, Neuheiten, Fruchtprofile und leichtere Varianten sinnvoll kombiniert, kann unterschiedliche Zielgruppen erreichen und zugleich mehrere Konsumanlässe bedienen.
Kategorie mit Convenience-Logik
Laut MCS bleibt die Warengruppe der RTDs im Tankstellenkanal ein wichtiger Impulstreiber. „Ready-to-Drinks und Premixe legen im Tankstellenkanal aktuell zu: Umsatz plus ein Prozent und Absatz plus zwei Prozent (Nielsen TS Scanning MAT bis 26.04.2026). Als Impuls- und Sofortkonsum-Segment bleibt die Warengruppe im Shop hochrelevant“, sagt Fabian Brüderle, Category Manager Einkauf bei MCS. Auch „Diageo“ ordnet RTDs als relevante Wachstumskategorie ein. Sabine Schossmeier, Category Development Managerin bei „Diageo“, betont: „Ready-to-Drink ist derzeit der wichtigste Wachstumstreiber im Spirituosenmarkt.“
Warum RTDs gerade zur Tankstelle passen, erklärt Vanessa Lehmann, Head of Communications bei „Henkell Freixenet Holding“: „Zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren zählen aus unserer Sicht die Convenience, denn Verbraucher möchten eine hohe Qualität ohne großen Zubereitungsaufwand, darüber hinaus sind leichte und erfrischende Geschmacksprofile gefragt sowie eine Ausrichtung an den Verwendungsanlass.“ RTDs würden laut Lehmann zunehmend für bestimmte Konsummomente entwickelt, „die Anlässe reichen von Events bis hin zum unkomplizierten After-Work-Drink.“
Frucht trifft Klassiker

Geschmacklich bleibt die Kategorie zweigeteilt: Einerseits sichern bekannte Longdrink-Profile Orientierung, andererseits sorgen fruchtige Neuheiten für zusätzliche Kaufimpulse. MCS sieht klassische Longdrinks wie Whisky-Cola, Rum-Cola oder Gin Tonic weiterhin stark. Gleichzeitig gewinnen Aperitif-RTDs und fruchtige Innovationen mit Mango, Pfirsich, Passionsfrucht oder Pink Grapefruit an Relevanz.
Auch „Diageo“ sieht die Kategorie nicht als reine Fruchtwelle, sondern als Zusammenspiel aus bekannten und neuen Profilen. Schossmeier erklärt: „Stark nachgefragt sind sowohl klassische Longdrinks wie Vodka-Energy oder Vodka-Lemon sowie etablierte Vodka-RTDs wie ‚Smirnoff Ice Original‘.“ Zugleich würden fruchtige Geschmacksrichtungen wichtiger: „Innerhalb dieses Trends stechen insbesondere zitrische, beerige und exotische Frucht-Flavours als die erfolgreichsten Geschmacksrichtungen hervor.“ Passend dazu hat „Diageo“ „Smirnoff Ice“ um „Green Apple“ erweitert und „Smirnoff Crush“ in den Sorten „Mango & Pfirsich“ sowie „Zitrone & Limette“ eingeführt.
Auch andere Hersteller folgen dieser Richtung. „Brown-Forman“ nennt „Jack Daniel‘s Southern Cocktails“ in „Pfirsich“ und „Zitrone“ sowie „el Jimador Lime Margarita“ und „el Jimador Mango Margarita“. „Suntory Global Spirits“ ergänzt sein RTD-Sortiment durch die neue Sorte „Jim Beam Berry Mix“. Hinzu kommt „-196 Double Peach“, das Ainoa Hartung, Brand Managerin RTD bei „Suntory Global Spirits“, als „sommerlich fruchtige Neuheit“ beschreibt. Für das Produkt werde „die ganze Frucht“ als Aromagrundlage verarbeitet, wodurch „ein besonders erfrischender, intensiver Fruchtgeschmack“ entstehe.
Weniger, aber besser
Neben Fruchtprofilen gewinnt ein zweiter Trend an Gewicht: Leichtere, bewusstere und aperitifnahe RTDs. Nils Rieckmann, Head of Trade Marketing bei „Brown-Forman Deutschland“, erklärt: „Wir beobachten, dass bewusster Genuss zunehmend im Fokus der Konsumenten steht. Leichtere Mixgetränke erfreuen sich einer anhaltenden Beliebtheit.“ Nils Rieckmann erklärt weiter: „Zudem sehen wir, dass fruchtige RTD-Geschmacksrichtungen im Trend liegen und stärker als die Non-Cola-Varianten wachsen.“



„Winzz“ positioniert sich in diesem Umfeld mit „Weinschorle Weiss“ und „Weinschorle Rosé“ als leichtere, weinhaltige Alternative in der 0,275-Liter-Glasflasche. Marcella Sander, Marketingleitung bei „Winzz“, fasst den Trend so zusammen: „Prägend ist derzeit der Trend zu bewusstem Konsum im Sinne von ‚weniger, aber besser‘. Gefragt sind leichtere, fruchtige und zugleich hochwertige RTD-Alternativen, die sowohl für spontane Konsumanlässe als auch für gesellige Situationen funktionieren.“ Sander ergänzt: „Tankstellen- und Convenience-Standorte sind für alkoholische RTDs besonders relevant, da sie stark von Spontan- und Impulskäufen geprägt sind.“ Lehmann von „Henkell Freixenet“ verweist ebenfalls auf den „anhaltenden Trend zu leichteren, spritzigen Drinks“.
Auch Aperitif-RTDs passen in diese Entwicklung. „Waldemar Behn“ nennt hierzu „Andalö Spritz“ in der 0,2-Liter-Glasflasche. Philipp Fellmann,
Geschäftsführer der „Waldemar Behn GmbH“, sagt: „Aperitif-RTDs wie ‚Andalö Spritz‘ in kleinen Glasflaschen passen gut ins Tankstellen- und Convenience-Regal. Sie bieten frische, spritzige Genussmomente ohne Zubereitungsaufwand. Besonders gut sichtbar und kühl platziert schaffen sie zusätzliche Impulse jenseits klassischer Longdrink-RTDs.“
Auch der Hersteller „Henkell Freixenet“ setzt mit seinem „Mionetto Orange Spritz Aperitivo Ready-to-Serve“ auf einen sofort servierfertigen Aperitivo – dieser soll Convenience und italienisches Lebensgefühl miteinander verbinden.
Kalt verkauft sich besser
Mit wachsender Vielfalt wird auch das Format wichtiger. Die Dose bleibt zentral, wird aber differenzierter. „Suntory Global Spirits“ setzt bei „Jim Beam“ auf die 330-Milliliter-Slim-Can. Hartung erklärt: „Mit dem Schritt in die schlanke 330-Milliliter-Slim-Can bricht ‚Jim Beam‘ bewusst aus dem gelernten Whiskey-Format aus. Das neue Design unterstreicht den erfrischend-fruchtigen Charakter der Range und grenzt sich von der klassischen Cola-Welt ab.“ Für den Handel biete das Format „klare Vorteile im Kühlregal“, da es die Platzierung erleichtere und zusätzliche Kaufimpulse setze. Daneben gewinnen kleine Glasgebinde an Profil. „Winzz“ sieht im 0,275-Liter-Glasformat Chancen, weil es „handlich und hochwertig“ sei und sich für den spontanen To-go-Kauf eigne. „Waldemar Behn“ setzt bei „Andalö Spritz“ ebenfalls auf die kleine Glasflasche, während „Danzka Vodka-Mix Lemon“, „Energy“ und „Mule“ in 330-Milliliter-Sleek-Dosen angeboten werden.



Zusätzlich zeigt sich im Sortiment noch Luft nach oben. Sabine Schossmeier von „Diageo“, verweist darauf, dass Tankstellen ihr Dosen-Sortiment in den vergangenen zwei Jahren nur um zwei Prozent erweitert hätten. Andere Convenience-Kanäle seien deutlich schneller. „Damit verschenken sie Potenzial, denn die RTD-Kategorie bietet mit rund 35 Innovationen pro Jahr besonders viel Sortimentsvielfalt.“ Gerade fruchtige Premix-Varianten könnten so stärker ins Blickfeld rücken.
Impulse richtig platzieren
Für Tankstellenbetreiber bleibt die Umsetzung am PoS entscheidend. Fabian Brüderle von MCS empfiehlt: „RTDs sollten konsequent gekühlt angeboten werden, ‚cold is sold‘, und im Regal klar nach Basisspirituose strukturiert sein.“ Wichtig seien Markenblöcke mit Ankernamen wie „Jack Daniel‘s“, „Jim Beam“ oder „Wodka Gorbatschow“, außerdem eine prominente Platzierung der Topseller. Neuheiten und Limited Editions sollten sichtbar zweitplatziert werden, um Impulskäufe zu fördern. Promotions wie Bundle- oder Multi-Buy-Aktionen sowie saisonale Anlässe – etwa Sommer, Festivals oder Fußball – sollten aktiv genutzt werden.
Damit bleibt die Kategorie für Tankstellen vor allem dann attraktiv, wenn sie nicht nur als Zusatzsortiment verstanden wird. Ready-to-Drinks brauchen Sichtbarkeit, Kühlung und Orientierung. Dann können Klassiker Frequenz sichern, fruchtige Neuheiten Neugier wecken und leichtere Aperitif- oder Weinvarianten zusätzliche Konsumanlässe erschließen.
Text: Tabea Schmelz


