
Foto: Mannol / SCT Germany
Mit einer täglichen Produktionskapazität von mehr als einer Million Litern zählt „Mannol“ heute zu den größten unabhängigen Schmierstoffherstellern weltweit. Der Ausbau der Produktionsstandorte in Litauen und Dubai markiert einen Meilenstein in der Unternehmensgeschichte.
Im Interview sprechen Juri Sudheimer, Gründer von „Mannol/SCT“, und Konstantin Gaab, Geschäftsführer von „Mannol/SCT Germany“, über Wachstum, Technologie und die strategische Bedeutung dieser Entwicklung.
Das Sortiment von „Mannol“ umfasst mehr als 500 Produkte, darunter Motor- und Getriebeöle, Betriebsflüssigkeiten, Autopflegeartikel sowie Schmierstofflösungen für die Industrie.
Das 1993 von Juri Sudheimer in Deutschland gegründete Unternehmen fertigt die gesamte Produktion aus einer Hand – von der Herstellung bis zur Abfüllung in Metallbehältern und Kunststoffgebinden. Die Produkte werden heute in über 130 Ländern weltweit vertrieben.
Eine Million Liter pro Tag ist beeindruckend. Was bedeutet diese Zahl für „Mannol“?
Juri Sudheimer: Das Erreichen dieser Produktionsmarke ist ein symbolträchtiger Meilenstein. Er zeigt, wie stark wir in den vergangenen Jahren sowohl technologisch als auch organisatorisch gewachsen sind. Eine Million Liter – nur um das Volumen mal zu verdeutlichen – das ist genug Motoröl für über 220.000 Pkw-Ölwechsel, und das jeden Tag. Die Million steht aber nicht nur für die hohe Produktionskapazität von „Mannol“, sondern auch für Zuverlässigkeit, Qualität und internationale Lieferfähigkeit. Wir können unsere Partner weltweit noch besser und schneller bedienen und dabei zugleich unsere hohen Standards wahren.
Wie ist die Produktion im Unternehmen organisiert?
Konstantin Gaab: Die Produktion verteilt sich auf zwei strategisch wichtige Standorte, die unabhängig voneinander arbeiten, aber eng miteinander vernetzt sind. Das Werk in Klaipėda, Litauen, ist das größte Schmierstoffwerk Nordeuropas. Auf einer Fläche von rund 50.000 Quadratmetern produzieren wir dort mehr als 700.000 Liter pro Tag. Das neue Werk in Dubai ergänzt die Kapazitäten mit weiteren 300.000 Litern pro Tag. Etwa 75 Prozent der gesamten Tagesproduktion entfallen auf Motoröle, der Rest auf Spezialschmierstoffe und Betriebsflüssigkeiten. Beide Werke sind mit modernster Technik ausgestattet und nach europäischen Qualitätsstandards organisiert.
Welche Technologien ermöglichen eine so hohe und präzise Fertigung?
Konstantin Gaab: In beiden Werken setzen wir auf automatisierte Produktionsprozesse und sogenannte PIG- oder Molch-Systeme, die Produktreinheit garantieren. Wir legen Wert darauf, den gesamten Entstehungsprozess in der eigenen Hand zu haben. Das reicht von F&E und Labortests über das Verpackungsdesign und die Herstellung von Kunststoff- und Metallgebinden bis hin zur Mischung und Abfüllung. Außerdem durchläuft bei uns jede Charge einen dreistufigen Qualitätssicherungsprozess – von der Eingangskontrolle der Rohstoffe bis zur Endfreigabe. Unsere Labore sind nach ASTM-Standards ausgestattet, und wir archivieren jede Probe für bis zu drei Jahre. Diese Kombination aus Präzision, Eigenfertigung und Kontrolle sorgt dafür, dass wir konstant auf hohem Niveau produzieren.
„Mannol“ hat in den vergangenen Jahren stark investiert. Wie wichtig war dies für den heutigen Erfolg?
Juri Sudheimer: Ohne diese Investitionen wäre unser heutiges Wachstum nicht denkbar. Seit 2004 haben wir mehr als 90 Millionen Euro in die Modernisierung unserer Werke gesteckt, davon allein rund 50 Millionen in Litauen und etwa 40 Millionen in Dubai. In Klaipėda haben wir unsere Abfülllinien von zwei auf sechzehn erweitert und die Produktionsprozesse digitalisiert. Mit dem neuen Standort in Dubai verfügen wir über eine zusätzliche Fläche von 20.000 Quadratmetern, 104 Tanks und eine Lagerkapazität von 25 Millionen Litern. Diese Infrastruktur verschafft uns Flexibilität und macht uns unabhängiger von externen Produzenten. Darüber hinaus haben wir rund neun Millionen Euro in den Ausbau und die Ausstattung unserer Labore investiert, um Forschung und Qualitätssicherung zu gewährleisten.
„Mannol“-Produkte sind in mehr als 130 Ländern erhältlich. Welche Bedeutung hat die gestiegene Produktionskapazität für die internationale Expansion?
Konstantin Gaab: Sie ist die Grundlage dafür. Mit unseren beiden Werken können wir die wachsende Nachfrage in allen Regionen zuverlässig bedienen und die Präsenz der Marke „Mannol“ gezielt ausbauen. Der Aufbau des Werks in den Vereinigten Arabischen Emiraten war hierbei ein wichtiger Schritt. Der Standort ist nicht nur eine Produktionsstätte, sondern auch ein logistischer Hub, um die Lieferwege zu verkürzen und Märkte wie Asien, Afrika und Südamerika anzubinden. Unsere Kunden erwarten heute kurze Lieferzeiten und gleichbleibende Qualität – genau das können wir jetzt weltweit gewährleisten.
Welche Schwerpunkte setzt „Mannol“ künftig in Forschung und Entwicklung?
Juri Sudheimer: Innovation ist und bleibt unser zentraler Wachstumstreiber. In unseren Laboren entwickeln wir bereits heute Lösungen für neue Antriebstechnologien und nachhaltige Schmierstoffkonzepte. Dazu gehören Produkte für die E-Mobilität, für Hybridfahrzeuge und für moderne Industrieanwendungen. Gleichzeitig investieren wir in die Digitalisierung, um unsere Produktions- und Logistikprozesse effizienter zu gestalten. Unser Ziel ist es, den Markt aktiv mitzugestalten und mit zukunftsweisenden Technologien den Schmierstoffsektor zu prägen.
Die „Mannol“-Produktion auf einen Blick:
- Produktionskapazität: über 1.000.000 Liter pro Tag
- Standorte: Klaipėda (Litauen) und Dubai (Vereinigte Arabische Emirate)
- Gesamtfläche: 70.000 m²
- Tankkapazität: über 65 Mio. Liter
- Investitionen seit 2004: über 90 Mio. € (Werke), rund 9 Mio. € (Labore)
- Mitarbeitende: rund 460 weltweit
- Sortiment: über 500 Produkte, rund 10.000 Artikelvarianten
- Belieferung in mehr als 130 Länder


