Alternative Kraftstoffe – Online-Event „Fit für HVO100“: Potenzial und praktische Tipps für die Einführung

Grafik: „Chat GPT“

Am 10. März 2026 lud der „bft“ zur Online-Veranstaltung „Fit für HVO100: Potenzial und Praktische Tipps für die Einführung“ ein. Branchenvertreter, Tankstellenbetreiber, der Energieanbieter „Roth Energie“, der Verein „eFuelsNow e.V.“ sowie die Initiative „Ecocento“ beleuchteten gemeinsam die Infrastruktur, das Marktpotenzial und die praktischen Hürden bei der Einführung des klimafreundlichen Kraftstoffes.

HVO100 als Frequenzbringer

Kim Dennis Backhaus, Marketingleiter bei „Roth Energie“, eröffnete die Veranstaltung mit einer positiven Bilanz: Die Daten aus 2025 zeigten einen deutlichen Anstieg der HVO100-Mengen. Der Kraftstoff lasse sich ohne allzu große Infrastrukturveränderungen einführen, generiere neue Geschäftskunden, höhere Margen pro Liter und einen klaren Wettbewerbsvorteil. Die Zehn-Kubik-Marke pro Monat sei schnell erreicht – und HVO100 substituiere den Diesel-Absatz kaum, sondern schaffe zusätzliche Umsätze.

Anika Neumann, Geschäftsführerin der freien Tankstelle Neumann in Bramsche, bestätigte dies aus der Praxis: HVO100 verkaufe sich besser als HV25 und SuperPlus, fördere die Neukundengewinnung und öffne im Wettbewerb zusätzliche Türen. Besonders praktisch sei ein bereits vorhandener zweiter Dieseltank, der sich alternativ für HVO100 nutzen lasse.

Gemischte Erfahrungen in der Branche

Nicht alle Betreiber berichteten von reibungslosen Erfahrungen. Mehrere schilderten Konflikte mit Behörden – etwa mit der Unteren Wasserbehörde, wo die Bauteil- und Fugeneignung zu den Streitpunkten zählten. Andere hielten sich aufgrund strenger Auflagen bewusst zurück. Hinzu kommen standortspezifische Faktoren: Ein Betreiber aus München etwa sieht derzeit noch keinen Bedarf, da SuperPlus dort stark läuft.

Gleichzeitig zeigten positive Beispiele, dass ein proaktiver Umgang mit den Behörden entscheidend ist: Wer relevante Unterlagen bereits im Vorfeld einreicht oder einen Gutachter hinzuzieht, kann Konflikte häufig vermeiden.

630 HVO100-Tankstellen mit Lücken

Andreas Höchst vom Verein „eFuelsNow“ – einer Initiative aus Ingenieuren und Experten für die Energiewende im Verkehrssektor – präsentierte die onlinebasierte HVO-Tankstellenkarte. Aktuell bieten in Deutschland rund 630 Tankstellen HVO100 an, was etwa jeder sechsten oder siebten Tankstelle entspricht. Besonders gut aufgestellt seien Niederbayern und Niedersachsen, während Hamburg, Düsseldorf, das Ruhrgebiet sowie weite Teile Norddeutschlands noch große Lücken aufwiesen. Als Zielgruppe identifiziert Höchst vor allem technikaffine Männer – Techniker, Oldtimerfans und Urlaubsfahrer, also all jene, bei denen das Fahrzeug längere Ruhezeiten hat. Anknüpfend führt er an, dass der Preis aufgrund der besseren Produkteigenschaften in der breiten Masse akzeptiert werde.

Proaktiv vorgehen: Tipps von der Praxis

Wolfgang Kröger, Experte bei „Ecocento“ mit über zehn Jahren HVO-Erfahrung, rät Betreibern zu einem proaktiven Vorgehen gegenüber den Behörden: Statt eine Genehmigung zu beantragen, solle man die zuständige Stelle vor der Inbetriebnahme persönlich informieren und die Vorteile von HVO100 aktiv kommunizieren – etwa die geringere Wassergefährdungsklasse (WGK 1 statt 3) oder die Erfüllbarkeit von Vorgaben des Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetzes. Auch der Hinweis, dass fossiler Diesel den Gefahrenhinweis H360 trägt, HVO100 hingegen nicht, könne hilfreich sein. Kröger empfiehlt zudem, einen gut vorbereiteten Ordner sowie einen USB-Stick mit allen relevanten Unterlagen mitzubringen – und sich darauf einzustellen, dass das Gespräch auch Themen wie Palmöl oder HVO-Betrug berühren werde.

Text: Tabea Schmelz

Nach oben scrollen