
Beim „Winter Convenience Forum“ vom 1. bis 4. März im österreichischen Maria Alm diskutierten Betreiber, Händler und Branchenexperten über die Zukunft der Tankstelle. Der Tenor: Das klassische Geschäft gerät zunehmend unter Druck – gleichzeitig eröffnen Foodservice, Digitalisierung und neue Energieangebote Wachstumschancen. Dieser Beitrag „Vom Tankstopp zur Foodvenience-Destination“ ist erscheinen in „tankstelle“ 05 am 15. April 2026.
Einen programmatischen Auftakt am ersten Forumsmorgen im österreichischen Maria Alm setzte Christian Warning von „The Retail Marketeers“ mit seinem Vortrag „Tankstelle 2035“. Seine Kernthese: Die traditionelle Formel „Coke, Gas & Smoke“ wird durch „Coffee, Food & Comfort“ ersetzt.
Laut aktuellen Studien kaufen bereits 42 Prozent der Kunden Snacks an der Tankstelle, während nur etwa ein Viertel den Standort primär zum Tanken ansteuert. Gleichzeitig wächst das wirtschaftliche Potenzial im Foodservice: Der Markt könnte in Deutschland von derzeit rund zwei Milliarden Euro auf das Sechsfache anwachsen.
Um diese Chance zu nutzen, müssen Tankstellen stärker auf Erlebnis, Aufenthaltsqualität und Gastronomie setzen. Gerade jüngere Zielgruppen reagieren auf ikonisches Design, sichtbare Zubereitung und Social-Media-taugliche Konzepte.
Technologien spielen dabei eine zentrale Rolle: Self-Order-Terminals steigern nachweislich den durchschnittlichen Warenkorb und die Kundenzufriedenheit. Studien zeigen, dass Nutzer solcher Systeme mehr Produkte kaufen und pro Besuch rund acht Prozent mehr ausgeben.
Wie Automatisierung den Betrieb unterstützen kann, zeigte Andreas Wuzke von „Click & Collect Service“. Hybride Tankstellenkonzepte mit automatisierten Shop-Lösungen ermöglichen zusätzliche Umsätze auch bei begrenztem Personaleinsatz.
Ein konkretes Praxisbeispiel präsentierten Philipp Arner („BK BenzinKontor“) und Torsten Eichinger (MCS) mit dem 24/7-Shopkonzept „Qwik24“ an einer unbemannten Station. Besonders gefragt sind dort Kaffee, Snacks, Bier sowie regionale Produkte wie Fleisch und Wurstwaren.
Auch alternative Kraftstoffe standen auf der Agenda. Jan Reichold von „Elo Mineralöl“ berichtete über die Einführung des paraffinischen Dieselkraftstoffs HVO 100 an mehreren Standorten. Neben zusätzlichen Absatzmengen konnte das Unternehmen nach eigenen Angaben auch neue Kundengruppen gewinnen – insbesondere gewerbliche Flotten und umweltbewusste Autofahrer.
Tankstellen wie „Schnellboote“
Daniel Kaddik, Hauptgeschäftsführer des „Bundesverbands Freier Tankstellen“, ordnete die Entwicklungen strategisch ein. In einem Markt mit steigenden Kosten und unterschiedlichen Antriebstechnologien sieht er mittelständische Betreiber im Vorteil. Während große Handelsstrukturen häufig wie „Öltanker“ agieren, könnten unabhängige Tankstellen als „Schnellboote“ schneller neue Konzepte testen und an lokale Bedürfnisse anpassen.
Dr. Lorenz Kiene, geschäftsführender Gesellschafter der „Lühmann-Gruppe“, stellte beim „Winter Convenience Forum“ die Arbeit der Initiative „eFuels Forum“ vor und erläuterte die Rolle synthetischer Kraftstoffe für die zukünftige Energie- und Mobilitätsversorgung.
Impulse aus dem stationären Handel brachte Angelika Winkler vom Handelsverband Bayern ein. Während Innenstädte zunehmend mit Frequenzverlusten kämpfen, verfügen Tankstellen weiterhin über eine stabile Grundfrequenz. Entscheidend sei jedoch, diese stärker emotional aufzuladen – etwa durch Storytelling, Kooperationen mit lokalen Akteuren oder neue Aufenthaltsangebote.
An den folgenden Tagen vertieften zahlreiche weitere Vorträge Themen wie Automatisierung, neue Shopkonzepte, Führung und alternative Kraftstoffe und unterstrichen die Vielfalt der Transformationsansätze in der Branche.
Das „Winter Convenience Forum“ machte damit deutlich: Die Tankstelle der Zukunft wird weniger durch den Zapfhahn definiert – sondern durch Gastronomie, Technologie und ein überzeugendes Kundenerlebnis.

Foto: WCF

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Foto: Christian Warning
Text: Lisa Levy


