Neben Zahlen, Daten und Fakten zu 2025 stellte der „Bundesverband Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche“ (BTG) im November in Kassel auch seinen Ausblick auf das Jahr 2026 vor, den „Wetterbericht“. Dieser Beitrag „Der ‚Wetterbericht‘ der Wasch-Branche“ erschien in der Januar/Februar-Ausgabe des „tankstelle“-Magazins am 15. Januar 2026.
Auf der BTG-Jahrestagung am 5. November 2025 im „H4 Hotel“ in Kassel eröffnete Georg Huber, Vorsitzender des BTG-Vorstands, den öffentlichen Teil mit einem kompakten Blick auf die Marktlage. In seinem „Wetterbericht für die Waschbranche“ zeigte er, dass die SB-Wäsche seit 2020 kontinuierlich wächst und für viele Betreiber wieder attraktiver wird. Trotz etwas weniger Sonnenstunden im Jahr 2024 und durchschnittlicher Niederschlagsmengen bleibt die Nachfrage stabil, während der Grundwasserstand binnen eines Jahres deutlich sank. Huber zitiert außerdem das Statistische Bundesamt: „Für die Pkw-Wäsche mussten Verbraucher 2024 um 18,6 Prozent höhere Preise als 2020 zahlen. Damit verteuerte sich die Pkw-Wäsche etwas unterdurchschnittlich. Denn die Verbraucherpreise insgesamt erhöhten sich im selben Zeitraum um 19,3 Prozent.“
Blick auf die Branchen
Mit einem Vortrag mit dem Titel „Mein Blick auf die Branchen – Tankstellen, Gastronomie, Shop und Autowäsche – Quo vadis?“ eröffnete der erste Redner, Eike Mönneke, Geschäftsführung bei „Mönneke Mineralöle“, die Vortragsreihe. Das Unternehmen aus dem niedersächsischen Delligsen, Brennstoffhändler seit 1925, entwickelt sein Tankstellennetz konsequent weiter, da die Nachfrage nach klassischen Kraftstoffen sinkt und die Anforderungen an Betreiber steigen.
Während große Konzerne unsichere Standorte aufgeben, setzt Mönneke wie viele weitere mittelständische Tankstellenunternehmen auf klare Selektion: starke Plätze ausbauen, schwächere schließen, zusammenlegen oder automatisieren. Mobility-Hubs, digitale Bezahlmöglichkeiten und vielfältige Convenience-Konzepte gewinnen an Bedeutung. Reine Waschstraßen könnten vom Strukturwandel profitieren, auch wenn Wachstumsmärkte stark umkämpft bleiben. Durch Differenzierung statt Standardisierung und Kooperationen im Mittelstand stärkt „Mönneke“
die Zukunftsfähigkeit seiner Standorte.
Kollisionsschutzsystem
Ein videobasiertes Sicherheitssystem zur Schadensverhinderung an Waschstraßen hat das Unternehmen „WashProTech“ entwickelt. Das System kombiniert Fahrzeugüberwachung mit einem kontinuierlichen Kollisionsschutz und ist mittlerweile an acht Waschanlagen im Einsatz.
Foto: „WashProTech“
Die KI-basierte Lösung erkennt bereits vor Einfahrt, ob Fahrzeuge für die Anlage geeignet sind: Zu breite oder zu große Fahrzeuge werden rot markiert, passende grün. Während des Waschvorgangs überwacht das System permanent den Abstand und kann bei kritischen Situationen eingreifen – bis hin zum sofortigen Stopp der gesamten Anlage, etwa, wenn ein Fahrzeug in der Waschstraße bremst. Kernstück ist eine sogenannte virtuelle Kette: Statt auf physische Führungssysteme setzt die Technologie auf „digitale Zwillinge“ der Fahrzeuge mit kontinuierlichem Positionstracking. Sobald ein Auto bremst, vorwärts oder rückwärts fährt, schaltet die Anlage ab. Mitarbeiter können auf einem Monitor über mehrere Kameras verfolgen, wo sich das Fahrzeug befindet. Das System stoppt automatisch bei unklarer Fahrzeuglage und erfordert dann eine manuelle Quittierung und einen Neustart durch das Personal.
Foto: „WashProTech“
Die Integration erfolgt nach dem Plug-&-Play-Prinzip. Die Lösung ist mit SPS-Anlagen von „Bock Elektronik“ kompatibel und lässt sich in bestehende IP-Kamerasysteme einbinden, ohne dass Eingriffe in die Mechanik erforderlich sind. Nach Angaben von Maximilian Büttner, Geschäftsführer von „WashProTech“ mit Sitz in Heusenstamm, konnten die Zwischenfälle um über 90 Prozent reduziert werden. Waschunterbrechungen dauern weniger als zwei Minuten. Das selbstlernende System entwickelt sich mit jeder installierten Anlage weiter. Die monatlichen Kosten liegen bei 450 Euro, unabhängig von der Anzahl der eingesetzten Kameras.
Weitere Vorträge zu Themen wie Kassensysteme, Photovoltaikanlagen, Flatrates und Neuigkeiten aus dem Bereich Steuern rundeten das Programm der BTG-Jahrestagung ab.
Text: Lisa Levy


