Clever Tanken – Spritpreise im April auf höchstem Stand seit Messbeginn

Städteranking der Spritkosten für April 2026.
Grafik: „infoRoad GmbH“ / „Clever Tanken“

Die Kraftstoffpreise in Deutschland sind im April auf den höchsten Stand seit Beginn der regelmäßigen Auswertungen von „Clever Tanken“ im Juni 2012 gestiegen. Wie der Verbraucherinformationsdienst mitteilt, verteuerten sich sowohl Super E10 als auch Diesel deutlich gegenüber dem Vormonat. Auch die zum 1. April eingeführte Tankpreisbremse der Bundesregierung konnte die Preise nicht senken. Nach Einschätzung von „Clever Tanken“ bremste sie eher den Wettbewerb als die Preise.

Im April kostete der Liter Super E10 im bundesweiten Durchschnitt 2,0975 Euro. Das waren rund 9 Cent mehr als im März, als der Durchschnittspreis noch bei 2,0114 Euro lag. Für vier Tankfüllungen à 60 Liter Super E10 zahlten Autofahrer damit im April durchschnittlich rund 503,40 Euro. Das waren 20,66 Euro mehr als im Vormonat und etwa 99,02 Euro mehr als im April 2025.

Noch teurer blieb Diesel: Der bundesweite Durchschnittspreis lag im April bei 2,2517 Euro pro Liter und damit rund 10 Cent über dem Märzwert von 2,1542 Euro. Vier Tankfüllungen à 60 Liter Diesel kosteten im Schnitt rund 540,41 Euro. Das entsprach Mehrkosten von etwa 23,40 Euro gegenüber März 2026 und rund 161,06 Euro gegenüber April 2025.

Diesel erneut teurer als Benzin

Auffällig blieb auch im April der große Preisabstand zwischen Super E10 und Diesel. Diesel war im Monatsmittel 15,42 Cent pro Liter teurer als Super E10, obwohl Diesel steuerlich um rund 20 Cent pro Liter begünstigt ist. Im März hatte der Abstand bereits 14,28 Cent betragen. Damit vergrößerte sich die Preisschere erneut zulasten von Dieselfahrern.

Geopolitik treibt Rohölpreise nach oben

Hauptursache für die hohen Kraftstoffpreise waren nach Einschätzung von „Clever Tanken“ die stark gestiegenen Rohölpreise infolge des Iran-Kriegs. Die für Deutschland wichtige Nordseesorte Brent erreichte im Monatsverlauf zeitweise Tageswerte von rund 109 bis 112 US-Dollar je Barrel (159 Liter).

Ausschlaggebend waren anhaltende Angriffe zwischen den USA, Israel und dem Iran sowie Sorgen vor Versorgungsengpässen durch die weitgehende Blockade der Straße von Hormus. Die Handelsroute zählt zu den wichtigsten Öltransportwegen weltweit.

Am 8. April gerieten die Rohölpreise zwar zwischenzeitlich unter Druck, nachdem der Iran und die USA eine befristete Waffenruhe sowie eine teilweise Öffnung der Straße von Hormus angekündigt hatten. Der Brent-Preis fiel kurzzeitig um rund 17 Prozent auf etwa 91 US-Dollar je Barrel. Die Entspannung hielt jedoch nur kurz an. Neue Spannungen und stockende Verhandlungen sorgten bis Monatsende wieder für Aufwärtsdruck.

Tankpreisbremse ohne preissenkenden Effekt

Neben den Rohölpreisen dürfte auch die zum 1. April eingeführte Tankpreisbremse zu höheren Kraftstoffpreisen beigetragen haben. Darauf weist eine gemeinsame Studie des „ZEW Mannheim“ und des „Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie“ (DICE) hin. Die Forschenden analysierten dafür Daten von rund 15.000 Tankstellen jeweils zwei Wochen vor und nach Inkrafttreten der neuen Regelung.

Demnach stiegen die Gewinnmargen bei Super E5 und Super E10 seit Einführung der Maßnahme um rund 6 Cent pro Liter. Für Diesel sei der Effekt wegen der starken Schwankungen an den internationalen Märkten bislang nicht eindeutig quantifizierbar.

Laut Studie führte die Regelung zwar zu besser vorhersehbaren Preisbewegungen im Tagesverlauf, zugleich aber auch zu höheren Durchschnittspreisen. Besonders zwischen Mittag und frühem Abend lagen die Preise demnach systematisch höher. Die günstigsten Zeitfenster wurden vor allem zwischen 8 Uhr und kurz vor 12 Uhr erreicht.

Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer von „Clever Tanken“, sieht sich dadurch bestätigt: „Die 12-Uhr-Regel bremst den Wettbewerb – nicht die Preise. Damit verfehlt sie ihr Ziel.“

Große Preisunterschiede zwischen Städten

Im Vergleich der 20 größten deutschen Städte war Stuttgart im April die günstigste Stadt für Super E10. Dort kostete der Liter im Monatsmittel 2,0596 Euro. Auf den weiteren Plätzen folgten Nürnberg mit 2,0676 Euro und Bonn mit 2,0698 Euro pro Liter.

Am teuersten war Super E10 im April in Leipzig mit 2,1236 Euro pro Liter. Dahinter folgten Dresden mit 2,1170 Euro und Hamburg mit 2,1061 Euro. Vier Tankfüllungen à 60 Liter Super E10 kosteten im teuren Leipzig durchschnittlich rund 509,66 Euro und damit etwa 15,36 Euro mehr als in Stuttgart.

Bei Diesel war Bielefeld im April die günstigste Tankstadt. Autofahrende zahlten dort im Monatsdurchschnitt 2,2163 Euro pro Liter. Auf Platz zwei folgte Bonn mit 2,2227 Euro, auf Platz drei Stuttgart mit 2,2336 Euro.

Die teuerste Diesel-Tankstadt war Hamburg mit einem Durchschnittspreis von 2,2764 Euro pro Liter. Dahinter lagen Dresden mit 2,2751 Euro und Hannover mit 2,2680 Euro. Leipzig, zuvor drei Monate in Folge teuerste Dieselstadt, fiel im April auf Rang vier zurück.

Günstigste Tanktage gegen Monatsmitte

Die günstigsten Tage zum Tanken von Super E10 waren im April Sonntag, der 19. April, und Dienstag, der 21. April. An beiden Tagen kostete der Liter im Bundesdurchschnitt 2,0460 Euro. Diesel war am Mittwoch, dem 22. April, mit 2,1110 Euro am günstigsten.

Die höchsten Preise für Super E10 wurden am Sonntag, dem 5. April, und am Montag, dem 6. April, erreicht. Der Liter kostete an beiden Tagen durchschnittlich 2,1840 Euro. Diesel war am Dienstag, dem 7. April, mit 2,4360 Euro pro Liter am teuersten.

Ausblick: Tankrabatt bringt Entlastung, Ölmarkt bleibt angespannt

Für die kommenden Wochen rechnet „Clever Tanken“ weiterhin mit angespannten Energiemärkten. Solange sich keine nachhaltige Öffnung der Straße von Hormus abzeichnet, dürfte der Brent-Preis nach Einschätzung von Marktbeobachtern auf hohem Niveau bleiben. Die US-Bank „Goldman Sachs“ hat ihre Prognose für den Brent-Preis im vierten Quartal bereits von 80 auf 90 US-Dollar je Barrel angehoben.

Mittelfristig könnte ein höheres Ölangebot für Entspannung sorgen. So haben die Vereinigten Arabischen Emirate das Ölkartell „OPEC“ sowie den erweiterten Verbund „OPEC+“ zum 1. Mai verlassen. Zudem erhöhte „OPEC+“ nach dem Austritt die Förderquote für Juni um weitere 188.000 Barrel pro Tag.

Kurzfristig sorgt jedoch der seit dem 1. Mai geltende Tankrabatt der Bundesregierung für Entlastung an den Zapfsäulen. Durch die temporäre Senkung der Energiesteuer könnte sich der Kraftstoffpreis rechnerisch um bis zu 16,7 Cent pro Liter reduzieren. Tatsächlich sanken die Tagesdurchschnittspreise zum Start der Maßnahme deutlich: Super E10 fiel von 2,110 Euro am 30. April auf 1,973 Euro am 1. Mai. Diesel verbilligte sich im selben Zeitraum von 2,197 Euro auf 2,062 Euro pro Liter.

„Trotzdem gilt: Ab 12 Uhr mittags steigen die Preise sprunghaft an. Autofahrer sollten deshalb die Preise per App, Navigationssystem oder online vergleichen und, wenn es der Alltag zulässt, möglichst vormittags vor 12 Uhr tanken“, rät Bock.

www.clever-tanken.de

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