
Foto: infoRoad GmbH / Clever Tanken
Das Tankjahr 2025 endete für Autofahrer mit niedrigeren Preisen – trotz des erhöhten Reiseverkehrs rund um die Weihnachtsfeiertage. Wie eine Auswertung des Verbraucherinformationsdienstes „Clever Tanken“ zeigt, verbilligten sich sowohl Super E10 als auch Diesel im bundesweiten Schnitt gegenüber dem Vormonat. Super E10 war im Dezember der günstigste Tankmonat des vergangenen Jahres, wobei es deutliche regionale Preisunterschiede gab.
Laut der Auswertung von „Clever Tanken“ kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Durchschnitt rund 1,6447 Euro. Das waren etwa 3 Cent weniger als im November (1,6762 Euro). Zuletzt war Super E10 im September 2024 (1,6414 Euro) günstiger gewesen.
Auch Diesel verbilligte sich im letzten Monat des Jahres 2025: Ein Liter kostete im Dezember durchschnittlich 1,5933 Euro und damit rund 4 Cent weniger als im Vormonat (1,6347 Euro). Zuletzt hatte der Dieselpreis im Oktober 2025 (1,5830 Euro) ein niedrigeres Niveau erreicht.
Im Jahresvergleich fiel die Entlastung weniger deutlich aus. Super E10 war im Dezember rund 2 Cent günstiger als ein Jahr zuvor. Damals hatte der Liter 1,6628 Euro gekostet. Der Dieselpreis verbilligte sich gegenüber dem Vorjahreswert von 1,5972 Euro je Liter nur marginal um rund 0,4 Cent.
Durchschnittspreise 2025 deutlich unter Vorjahr
Bei Betrachtung der durchschnittlichen Jahreswerte zeigt sich die Entlastung der Autofahrenden deutlicher: Super E10 kostete im Jahr 2025 deutschlandweit durchschnittlich rund 1,6804 Euro pro Liter und damit rund 5 Cent weniger als im Jahr zuvor (1,7331 Euro). Zuletzt war dieser Wert 2021 mit circa 1,5228 Euro niedriger gewesen. Der Mittelwert für einen Liter Diesel lag im vergangenen Jahr bei rund 1,6055 Euro. Das waren rund 4 Cent weniger als 2024 (1,6449 Euro). Auch Diesel war zuletzt im Jahr 2021 mit 1,3859 Euro pro Liter günstiger gewesen.
Gründe für die Entwicklung der Kraftstoffpreise im Dezember
„Die Entwicklungen im Dezember sowie über das Jahr 2025 hinweg sind vor dem Hintergrund der Anfang 2025 gestiegenen nationalen CO₂-Bepreisung fossiler Brennstoffe interessant. Denn trotz der höheren Abgaben auf Benzin und Diesel sind die Kraftstoffpreise gefallen. Der Preisrückgang ist daher vor allem auf die Veränderung der Rohölpreise zurückzuführen“, sagt Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer von „Clever Tanken“.
Im Dezember fiel der Preis für die in Deutschland maßgebliche Nordseesorte „Brent“ von rund 63,74 US-Dollar je Barrel (159 Liter) zu Monatsbeginn auf etwa 58,86 US-Dollar zur Monatsmitte – der niedrigste Stand seit Anfang 2021. Anschließend stiegen die Preise zwar wieder auf bis zu rund 62,50 US-Dollar. Die jüngste Gegenbewegung ändert jedoch wenig am Gesamtbild: Im Dezember sind die Ölpreise den fünften Monat in Folge zurückgegangen. Das ist die längste Schwächephase seit über zwei Jahren. Belastend wirkte vor allem die Erwartung eines globalen Überangebots infolge einer höheren Förderung des Ölkartells „OPEC+“. Dem Preisrückgang wirkte Ende Dezember jedoch der anbahnende Konflikt zwischen den USA und dem „OPEC“-Mitglied Venezuela leicht entgegen.
Dass auch die Preise an den Zapfsäulen in den letzten Dezembertagen wieder leicht anzogen, dürfte laut Steffen Bock zusätzlich mit der zum 1. Januar in Kraft getretenen nächsten Stufe der nationalen CO₂-Bepreisung zusammenhängen. „Erfahrungsgemäß preisen einzelne Anbieter die Erhöhung der CO₂-Abgabe bereits in den letzten Tagen des alten Jahres ein“, so Bock.
Die günstigsten und teuersten Tankmonate im Jahr 2025
Der preiswerteste Monat zum Tanken von Super E10 war im vergangenen Jahr im bundesweiten Schnitt der Dezember. Es folgten die Monate August (1,6534 Euro) und September (1,6576 Euro). Am teuersten war Super E10 dagegen im Februar (1,7453 Euro), Januar (1,7295 Euro) und März (1,6938 Euro).
Der günstigste Tankmonat für Diesel war 2025 der Mai mit rund 1,5531 Euro je Liter. Es folgten die Monate August (1,5737 Euro) und Juni (1,5789 Euro). Am teuersten war Diesel im Februar (1,6809 Euro). Auf den Plätzen zwei und drei der teuersten Diesel-Tankmonate folgten der Januar (1,6723 Euro) und der November (1,6347 Euro).
Städteranking im Jahr 2025: Super E10 und Diesel in Bonn am günstigsten
Die günstigste Super-E10-Tankstadt des Jahres 2025 war Bonn. Hier kostete der Liter Super E10 im Jahresdurchschnitt rund 1,6522 Euro. Berlin (1,6546 Euro) und Mannheim (1,6551 Euro) folgten auf den Plätzen zwei und drei. Die höchsten Preise für Super E10 wurden dagegen in Dresden (1,7010 Euro), Hannover (1,6965 Euro) und Frankfurt am Main (1,6890 Euro) aufgerufen.
Die günstigste Diesel-Tankstadt war 2025 ebenfalls Bonn – und das das sechste Jahr in Folge. Hier kostete der Liter 2025 im Jahresdurchschnitt 1,5769 Euro. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Duisburg (1,5786 Euro) und Bielefeld (1,5793 Euro). Leipzig (1,6508 Euro) wurde dagegen zum dritten Mal nacheinander die teuerste Diesel-Tankstadt des Jahres. München (1,6193 Euro) und Dresden (1,6160 Euro) reihen sich auf den Plätzen zwei und drei ein.
Wichtige Einflussfaktoren auf die Kraftstoffpreise im Jahr 2025
Die Kraftstoffpreise werden durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren bestimmt. Dazu gehören die Produktions- und Transportkosten, Steuern sowie die Nachfrage. Der wichtigste Einflussfaktor sind jedoch die Rohölpreise. Die folgenden Hauptfaktoren verdeutlichen die komplexe Dynamik der Preisentwicklung im vergangenen Jahr:
- Nationale CO₂-Abgabe als struktureller Preistreiber: Die Erhöhung des nationalen CO₂-Preises für klimaschädliche Kraftstoffe zu Jahresbeginn verteuerte Benzin und Diesel dauerhaft – unabhängig von der Marktlage und somit auch von der Entwicklung der Rohölpreise.
- Erwartetes globales Überangebot an Rohöl: Über weite Strecken des Jahres dominierten Sorgen vor einem strukturellen Überangebot. Sowohl die „OPEC+“ als weltgrößte Gruppe von Erdölproduzenten als auch die Internationale Energieagentur („IEA“) rechneten für 2025 und vor allem für 2026 mit einem deutlichen Angebotsüberschuss, was Abwärtsdruck an den Märkten erzeugte.
- Förderpolitik der „OPEC+“ als zentrales Steuerungsinstrument: Ankündigungen des Ölkartells zur Ausweitung oder Drosselung seiner Fördermengen hatten wiederholt unmittelbare Auswirkungen auf die Preise. Bereits die Erwartung zusätzlicher Fördermengen reichte aus, um die Notierungen zu drücken.
- Geopolitische Risikoprämien: Eingepreiste Risikoprämien aufgrund der Konflikteskalation im Nahen Osten, der Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur und die sogenannte Schattenflotte sowie Sanktionen gegen Russland führten immer wieder zu kurzfristigen Preissprüngen. Diese Risikoprämien erwiesen sich jedoch meist als volatil und nicht nachhaltig.
- Hoffnung und Ernüchterung bei den Ukraine-Verhandlungen: Phasenweise sorgte die Aussicht auf Fortschritte der Friedensverhandlungen im Russland-Ukraine-Krieg für fallende Preise, da die Marktteilnehmer eine Rückkehr russischer Ölmengen auf den Weltmarkt einpreisten. Weil konkrete Durchbrüche jedoch ausblieben, kehrten sich diese Erwartungen immer wieder rasch um.
- Handelspolitische Unsicherheiten und Zollkonflikte: US-Strafzölle und die Furcht vor einer Ausweitung globaler Handelskonflikte belasteten die Konjunkturaussichten – und damit die erwartete Energienachfrage. Umgekehrt sorgten Hoffnungen auf eine Entspannung zwischen den USA, China und anderen Handelspartnern zeitweise für steigende Preise.
- Sanktionen und Geldpolitik – die Rolle der USA: Druck aus Washington auf die „OPEC+“ zur Senkung der Ölpreise, Sanktionen gegen Russland, den Iran und Venezuela sowie Erwartungen an eine lockerere Geldpolitik der US-Notenbank beeinflussten die Märkte mehrfach gleichzeitig – teils preisdämpfend, teils preistreibend.
- Konjunkturerwartungen als Nachfrageindikator: Sorgen über eine Abkühlung der Weltwirtschaft wirkten preisdämpfend, während Phasen robuster Konjunktur- und Reisedaten – etwa im Sommer – die Nachfrageerwartungen und damit die Preise stützten.
Ausblick auf das Tankjahr 2026
Für das Jahr 2026 sprechen viele Faktoren für gedämpfte Rohöl- und Kraftstoffpreise. Die „IEA“ rechnet mit einem rekordhohen globalen Ölüberschuss von rund 3,8 Millionen Barrel pro Tag. Grund dafür ist, dass das weltweite Angebot die Nachfrage deutlich übersteigen dürfte. Denn neben der „OPEC+“ haben zuletzt auch große Produzenten außerhalb des Kartells, darunter die USA, Brasilien und Kanada, ihre Förderung ausgeweitet. Gleichzeitig belasten ein schwaches globales Wirtschaftswachstum, anhaltende Handelskonflikte sowie der zunehmende Umstieg auf Elektro- und Hybridfahrzeuge die Nachfrageaussichten. Ein Ende des Russland-Ukraine-Krieges könnte ebenfalls preisdämpfend wirken, da eine Lockerung der westlichen Sanktionen die Rückkehr zusätzlicher russischer Ölmengen auf den Weltmarkt ermöglichen würde.
Kurzfristig preisstabilisierend könnten jedoch geopolitische Risiken wie eine weitere Eskalation des Ukraine-Kriegs oder zunehmende Konflikte zwischen den USA und dem Opec-Staat Venezuela wirken.
In Deutschland bleibt die nationale CO₂-Bepreisung für Benzin und Diesel in jedem Fall ein zentraler Preistreiber. Im Jahr 2025 lag die Abgabe bei 55 Euro pro Tonne ausgestoßenem Kohlendioxid. Dadurch verteuerte sich der Liter Super E10 im Schnitt um rund 15,7 Cent und der Liter Diesel um etwa 17,3 Cent gegenüber 2020, dem Jahr vor Einführung dieser auch als CO₂-Steuer bezeichneten Abgabe.
Ab 2026 soll der CO₂-Preis nicht mehr staatlich festgelegt werden. Stattdessen bildet sich die Abgabe über Auktionen von begrenzt verfügbaren Emissionszertifikaten. Erwartet wird eine Spanne von 55 bis 65 Euro je Tonne. Steigt der CO₂-Preis auf das obere Ende dieser Skala, könnten die Mehrkosten bei Benzin auf rund 18,6 Cent und bei Diesel auf etwa 20,5 Cent klettern. Das wären bis zu 2,9 Cent pro Liter Benzin beziehungsweise 3,2 Cent pro Liter Diesel mehr als 2025.
„Unterm Strich deutet vieles darauf hin, dass der Ölmarkt im Jahr 2026 von einem strukturellen Überangebot geprägt sein wird. Steigende Fördermengen, eine gedämpfte Nachfrage und die fortschreitende Energiewende werden den Spielraum für dauerhaft hohe Rohölpreise begrenzen. Geopolitische Risiken bleiben zwar ein Unsicherheitsfaktor, dürften jedoch vor allem für kurzfristige Aufschläge sorgen“, fasst Steffen Bock zusammen.
Für Verbraucher in Deutschland sieht der Experte jedoch keine automatische Entlastung. Denn den globalen Ölmarkttrends steht die nationale CO₂-Bepreisung entgegen. „Auch wenn die Erhöhungen auf den ersten Blick moderat erscheinen, summieren sie sich über die Jahre hinweg deutlich. Damit bleibt die CO₂-Abgabe ein wesentlicher Preistreiber an den Zapfsäulen – politisch gewollt, aber für Pendler und Vielfahrer zunehmend spürbar.“


