bft – Quo vadis Tankstelle? Ausblick zur „Zukunftstagung“

Daniel Kaddik
Foto: Simon Blackley

Mit der „bft-Zukunftstagung“ will der „Bundesverband Freier Tankstellen“ („bft“) gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Forschung zentrale Zukunftsfragen der Branche diskutieren. Im Fokus der Veranstaltung in Hannover stehen unter anderem neue Mobilitäts- und Energiekonzepte, digitale Geschäftsmodelle sowie die Verleihung des Awards „Tankstelle des Jahres 2026“ unseres Fachmagazins „tankstelle“ am Abend des 22. Juni 2026.

1. Die „bft-Zukunftstagung 2026“ will nicht nur Szenarien skizzieren, sondern konkrete Lösungswege für den Mittelstand aufzeigen. Angesichts der thematischen Breite – von neuen Energien bis zur Digitalisierung: In welchen Handlungsfeldern sehen Sie im Rahmen der Tagung den dringendsten Bedarf für Impulse, die Betreiber möglichst zeitnah zur Sicherung ihrer Standorte umsetzen können? 

Daniel Kaddik: Weil Tankstelle heute so viel mehr ist als nur Kraftstoff, dürfen wir nicht nur einzelne Geschäftsfelder isoliert betrachten. Die Tankstelle der Zukunft ist Mobilitätszentrum – sie ist Nahversorger, Mobilitätspunkt, Treffpunkt, Dienstleister und zunehmend auch digitaler Zugangspunkt. Wir müssen die verschiedenen Bereiche zusammendenken – neue Energien, Shop, Waschen, Gastronomie, Packstation, digitale Services – und zugleich bewusst über den Tellerrand der Branche blicken. Genau deshalb schauen wir auf der „bft-Zukunftstagung“ bewusst über die klassischen Branchenthemen hinaus: neue Energien, Shop, Waschen, Gastronomie, Einzelhandel, digitale Mobilitätsdienste. Ein Anbieter wie „Uber“ bringt einen anderen Blick auf Mobilität ein als ein Tankstellenbetreiber – und genau solche Perspektiven brauchen wir. 

Der Tankstellenmarkt ist mitten im Wandel. Das sehen wir an Netzverkäufen, an der Konsolidierung im Markt und am Rückgang einzelner Standorte. Gleichzeitig läuft das heutige Geschäft vielerorts noch gut. Gerade deshalb müssen wir uns heute für übermorgen aufstellen. Für Betreiber heißt das sehr konkret: Standortanalyse, Investitionen in Shop und Waschen, bessere Aufenthaltsqualität, regionale Sortimente, neue Services und die Frage: Was fehlt vor Ort – und was kann meine Tankstelle leisten? 

Manchmal ist Zukunft nicht abstrakt, sondern sehr konkret: ein guter Kaffee, eine ordentliche Sitzgelegenheit und ein Angebot, das im Ort fehlt, weil der Bäcker geschlossen hat. Zukunftsfähigkeit beginnt dort, wo der Standort wieder ein echtes Bedürfnis der Kunden erfüllt, auch als Smart-Store.

2. Als Highlight bieten Sie am ersten Tagungsabend die Bühne für den Award „Tankstelle des Jahres 2026“. Ohne den Ergebnissen vorzugreifen: Welche Signalwirkung soll von dieser Auszeichnung in diesem Jahr ausgehen, und welche generellen Kompetenzen oder Innovationsansätze müssen zukunftsfähige Tankstellenkonzepte heute mitbringen, um als „Best Practice“ für die Branche zu dienen? 

Daniel Kaddik: Best Practice bedeutet für mich nicht, dass jedes Konzept eins zu eins kopiert werden muss. Entscheidend ist die Skalierbarkeit im Prinzip: Eine gute Idee muss anderen Betreibern zeigen, was möglich ist – angepasst an den eigenen Standort, die eigene Kundschaft und die eigenen wirtschaftlichen Voraussetzungen. 

Von der Auszeichnung soll vor allem ein Signal ausgehen: Die Branche kann sich neu erfinden. Und sie tut es bereits. 

Der entscheidende „It-Faktor“ eines guten Tankstellenkonzepts ist oft, dass man sich fragt: Warum haben wir das nicht schon immer so gemacht? Genau solche Lösungen brauchen wir. Mittelständische Betreiber sind dabei häufig die Schnellboote im Markt. Sie probieren aus, reagieren schneller auf lokale Bedürfnisse und zeigen, dass Innovation nicht nur aus Konzernzentralen kommt. 

Die Auszeichnung soll Mut machen. Ja, der Markt verändert sich stark. Aber in dieser Veränderung steckt auch verdammt viel Möglichkeit: für neue Services, bessere Aufenthaltsqualität, regionale Versorgung, neue Energien und ein anderes Verständnis von Tankstelle als Teil der lokalen Infrastruktur. 

3. Mit der Einbindung von Univ.-Prof. Dr. Schramm-Klein und dem Forschungsforum Mobilitätsökonomik (FORMOE) setzt der „bft“ stark auf akademische Expertise. Welchen spezifischen Mehrwert liefert dieser wissenschaftlich fundierte „Blick von außen“ in der aktuellen Marktphase, um den mittelständischen Mitgliedern verlässliche strategische Leitplanken für anstehende Investitionsentscheidungen zu bieten? 

Daniel Kaddik: Je besser die Datenbasis, desto besser die unternehmerische Entscheidung. Gerade in einer Marktphase, in der Investitionen langfristig wirken, politische Rahmenbedingungen aber oft unsicher sind, brauchen mittelständische Betreiber belastbare Orientierung. 

Prof. Dr. Schramm-Klein begleitet unsere Branche seit Jahren mit der Tankstellenstudie. Die Daten kommen aus der Branche, werden wissenschaftlich eingeordnet und haben sich inzwischen zu einem Standardwerk für den Branchenüberblick entwickelt. Die aktuelle Studie beschreibt sehr klar, dass Tankstellen sich zu multifunktionalen Versorgungs- und Serviceplattformen entwickeln und dass Standort, Shop, Energieangebot, Digitalisierung und Service künftig stärker zusammengedacht werden müssen.  

Mit FORMOE kommt zusätzlich der Blick auf Mobilität als ökonomische Größe hinzu – also als Teil eines größeren gesamtwirtschaftlichen Ökosystems. Genau diesen Blick brauchen wir: nicht nur fragen, welcher Kraftstoff morgen verkauft wird, sondern wie sich Mobilität, Versorgung, Konsumverhalten und digitale Dienste insgesamt verändern. 

Für unsere Mitglieder geht es nicht darum, eine einzige Zukunft vorherzusagen. Es geht darum, belastbare Szenarien zu entwickeln: Dort könnte es hingehen, diese Themen müsst ihr im Blick behalten, diese Investitionen können sinnvoll sein – und bei diesen Fragen ist Vorsicht geboten. Der Wandel kommt nicht erst. Wir sind schon mittendrin. Wer bestehen will, muss agil bleiben. Und genau das ist eine Stärke des Mittelstands. 

Text: Lisa Levy

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