
Foto: Christian Wimmer/Mobil in Deutschland e. V.
Die Zukunft des Automobils und damit auch der Tankstellenbranche bleibt ein Thema intensiver Diskussion. Beim Event „HVO100 – Rückblick & Ausblick“, organisiert vom Automobilclub „Mobil in Deutschland e.V.“, betonten Experten die Bedeutung von Technologieoffenheit. Rund 200 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft kamen am 21. Oktober in der Motorworld München zusammen, um über die Potenziale von HVO100 und anderen alternativen Kraftstoffen zu sprechen.
Dr. Michael Haberland, Präsident von „Mobil in Deutschland e.V.“, machte in seiner Eröffnungsrede deutlich: „Wir müssen die Zukunft des Automobils nicht ideologisch, sondern sachlich, offen und lösungsorientiert diskutieren. Technologieoffenheit ist das Zauberwort.“ Angesichts der rund 50 Millionen Pkw in Deutschland, von denen nur ein Bruchteil elektrisch fährt, sei es dringend notwendig, bestehende Verbrennungsmotoren durch innovative Kraftstoffe emissionsärmer zu gestalten.
HVO100: Marktentwicklung und Anwendungsmöglichkeiten
HVO100, ein paraffinischer Diesel aus erneuerbaren Rohstoffen, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Der Kraftstoff ist bereits an 785 deutschen Tankstellen verfügbar und kann in dafür freigegebenen Dieselmotoren ohne Umrüstung eingesetzt werden. Über den gesamten Lebenszyklus hinweg lassen sich, je nach Einsatz von Rohstoffen, deutliche Reduktionen der Treibhausgasemissionen erzielen.
Dr. Johannes Schmid von BMW unterstrich, wie wichtig es sei, Kunden Wahlfreiheit zu lassen: „Technologieoffenheit in allen Antriebsarten kann Beiträge zur CO2-Reduktion ermöglichen.“ BMW hat seit 2025 alle Diesel-Neufahrzeuge ab Werk mit HVO100 betankt, um den Wandel aktiv mitzugestalten.
Auch in anderen Branchen wird HVO100 als praktikable Lösung angesehen. Dr. Markus Heidak von „Zeppelin Rental“ erklärte, dass die Elektrifizierung schwerer Baumaschinen ab etwa 19 Tonnen oft nicht realisierbar sei. HVO biete hier eine effiziente Alternative.
Herausforderungen: Unsicherheit und politische Rahmenbedingungen
Eine aktuelle Umfrage von „puls Marktforschung“ zeigt, dass die Bekanntheit von HVO100 gestiegen, die Unsicherheit bei den Verbrauchern jedoch groß ist. Stefan Reiser von „puls Marktforschung“ sieht die Tankstellenbranche in der Verantwortung, durch Beratung und verlässliche Informationen Vertrauen zu schaffen.
„Für mich ist Autofahren das schönste Ding auf der Welt. Das Auto ist nicht nur ein
Mittel, um von A nach B zu kommen, sondern das Gerät, das mir die Freiheit gegeben
hat, zu machen, was ich will.“ – Walter Röhrl
Politische Rahmenbedingungen erweisen sich dabei als entscheidend. Referenten forderten klare Signale von der Politik, etwa die Befreiung von der Energiesteuer und Preisparität zum Diesel. Lara Wahr von „Fritz Wahr Energie“ berichtete von positiven Kundenreaktionen nach der Umstellung von 15 ihrer 34 Tankstellen auf HVO100: „Wer einmal umgestellt hat, der fährt dann eigentlich auch nichts anderes mehr.“
Impulse für die Tankstellenbranche
Für Tankstellenbetreiber eröffnen sich mit HVO100 neue Geschäftsmöglichkeiten. Der Kraftstoff kann nicht nur zur Kundenbindung beitragen, sondern auch ein wichtiges Element in einer nachhaltigen Standortentwicklung sein. Benjamin Kraatz von „Sprint Tank“ sieht in der aktuellen Unsicherheit der Verbraucher eine Chance: „Wir können Menschen mit der richtigen Information überzeugen, dass sie ihr Fahrzeug behalten können, ohne Investitionen in eine neue Antriebsart.“
Technologieoffenheit als Chance
Das Event in München hat gezeigt, dass alternative Kraftstoffe wie HVO100 eine realistische Option für die Weiterentwicklung des Bestandsfuhrparks darstellen. Gleichzeitig betonten die Teilnehmer die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen und einer offenen Debatte. Für Tankstellenbetreiber bietet der Ausbau von HVO100-Pumpen eine Möglichkeit, sich zukunftssicher aufzustellen und gleichzeitig einen Beitrag zur CO2-Reduktion zu leisten.




