
Die Zahl der Smart-Stores deutschlandweit wächst, an Tankstellen sind sie jedoch bisher nur vereinzelt zu finden. Der Convenience-Spezialist MCS denkt ein innovatives Automatisierungskonzept für den Tankstellenhandel neu – und der Pilotstandort in Bruckmühl an einer „Benzin Kontor“-Tankstelle zeigt bereits erste positive Ergebnisse.
Dieser Beitrag „Unbemannter Nahversorger an der Tankstelle“ ist am 15. Juli 2026 in der August-Ausgabe des „tankstelle“-Magazins erschienen.
Bei einem Besuch der „MCS – Marketing und Convenience-Shop System GmbH“ in Offenburg erfährt die „tankstelle“-Redaktion ein interessantes Detail: Der Convenience-Großhandel blickt 2026 auf ein besonderes Jubiläum zurück. Vor 30 Jahren, 1996, wurde die „Idee“ der MCS als Projekt aufgesetzt. Ein Jahr später, 1997, wurde das Unternehmen gegründet.
Heute beschäftigt MCS 13 eigene Mitarbeiter, während der operative Vertrieb über Großhandelspartner läuft. 24 Prozent der Anteile hält die „Markant“ Gruppe, welche auch das operative Geschäft verantwortet. Mit rund 3.500 Tankstellen im Zielmarkt – überwiegend mittelständische, eigentümerbetriebene Stationen – und der Belieferung von 100 bis 150 Smart-Stores sowie Nahversorgern wie beispielsweise „Tante M“ hat MCS eine klare Nische besetzt: der Handel rund um die Tankstelle, neu gedacht.
Geschäftsführer Torsten Eichinger treibt dabei ein Thema besonders voran: den unbemannten Smart-Store als Antwort auf strukturelle Herausforderungen im Tankstellennetz.
Vom Strukturproblem zur Idee
Philipp Arner betreibt in seiner Position als Vorstand, Prokurist und Geschäftsleiter Tankstellen bei „BK Kontor“ 37 Tankstellen in Südbayern – ein Portfolio, das von der kleinen Dorftankstelle bis zur großen Autobahnstation reicht. Genau diese Vielfalt wird zunehmend zum Problem: Für kleinere Stationen lassen sich weder Nachfolger in der Familie noch Pächter finden. Auf der Mineralölseite wird zwar noch Geld verdient, doch das Shop-Geschäft droht zu verwaisen.
Arners Antwort: ein unbemanntes Konzept. An einer Automatentankstelle in Bruckmühl testete „BK Kontor“ daher, ob ein vollautomatisierter Nahversorger wirtschaftlich und praktisch funktionieren kann. „Mit dem ‚Qwik24‘-Smart-Store ergänzen wir unsere unbemannte Tankstelle ideal, bieten unseren Kunden einen zusätzlichen Service direkt am Standort und generieren zugleich neue Umsätze. Das ‚Qwik24‘-Marketingkonzept und die Sortimentsberatung der MCS leisten dabei wertvolle Unterstützung“, erklärt Philipp Arner. Die Idee reifte bereits im Jahr 2023, die Bestellung folgte 2024 – doch der Weg zum eröffneten Betrieb war steinig.

Vorstand bei BK (rechts), vor dem Smart-Store.
Foto: BK Kontor / MCS / Qwik24

offizielle Pilotstandort des „Qwik24“-Moduls.
Foto: BK Kontor / MCS / Qwik24
Vom Konzept zur Genehmigung
Lärmschutzgutachten, Parkplatzkonzept und vor allem: 24/7-Öffnungszeiten. In Bayern war der Rund-um-die-Uhr-Betrieb eines solchen Konzepts lange nicht ohne weiteres möglich. Erst 2024 erteilte die bayerische Staatsregierung die entsprechende Genehmigung – ein Meilenstein nicht nur für Bruckmühl, sondern für das gesamte Konzept.
Auch der Jugendschutz stellt den unbemannten Betrieb vor reale Herausforderungen: Alkohol wie das meist verkaufte „Augustiner Hell“ lässt sich ohne Personalausweis-Kontrolle durch Personal nur mit technischen Lösungen rechtskonform verkaufen. Hier sind smarte Alternativen zur klassischen Alterskontrolle gefragt – ein Bereich, an dem die Branche noch arbeitet.
Eine weitere regulatorische Besonderheit betrifft das Sortiment: Aufgrund der Branntweinverordnung können RTDs (Ready-to-Drinks) im Smart-Store nicht angeboten werden. Da der Store rechtlich als Automat gilt, entfällt zudem die Pfandrücknahmepflicht.
Technik, Sortiment und Konzept
Der Smart-Store in Bruckmühl ist als „Qwik24“-Modul in Modulbauweise konzipiert – ausdrücklich kein umgebauter Schiffscontainer, sondern eine professionelle, skalierbare Lösung mit mindestens 6 × 3 Metern Grundfläche. Der Standort in Bruckmühl arbeitet mit einem 30-Fuß-Modul und führt 300 bis 320 Artikel im Sortiment. Die Investitionskosten bewegen sich je nach Standortsituation zwischen 100.000 und 110.000 Euro für einen Neubau; wird der Store in eine Bestandsimmobilie integriert, liegt der Aufwand bei rund 30.000 Euro.
Das Kassensystem ist technologieoffen gestaltet: Neben dem „Huth“-System oder der „fillibri“-Anbindung können auch „Madic“ oder andere Systeme integriert werden. Eine Anbindung an das bestehende ERP-System der Tankstelle ist möglich, aber nicht zwingend erforderlich – auch ein autarker Betrieb oder ein Grab-&-Go-Konzept sind umsetzbar.
Was die Kunden kaufen
Das Sortiment setzt auf regionale Qualität und Alltagsbedarf. Die meistgekauften Artikel in Bruckmühl:
- Fleisch- und Wurstwaren vom regionalen Metzger
- „Augustiner Hell“ (0,5 Liter) – ein Dauerbrenner
- Cappuccino to go – aus der „Franke“-Maschine mit „Dallmayr“-Kaffee
- „Snickers“-Eisriegel
- „Dr. Oetker Ristorante Mozzarella“
Im Winter verschiebt sich das Ranking: Dann kann es durchaus sein, dass heiße Schokolade die Bestsellerliste anführt, doch TK-Salami-Pizza und helles Bier bleiben weiter stark. Das zeigt: Das Konzept funktioniert saisonal und wird von den Kunden aktiv genutzt.
Der Durchschnittswarenkorb liegt im unteren einstelligen Eurobereich (ohne Tabak), die meisten Käufer nehmen zwei bis drei Artikel mit. Einzelne Kunden kommen jedoch auch für die Grillparty – mit Fleischwaren im Wert von bis zu 70 Euro. Peak-Zeiten sind Wochenenden und Feiertage. An starken Tagen freut man sich über hohe zweistellige Besucherzahlen.

Store in Bruckmühl bietet auf kleiner Fläche
ein Sortiment von 300 bis 320 Artikeln.
Foto: Christian Kuppel

dem Einscannen – so funktioniert Zugangs- und
Alterskontrolle rechtssicher ohne Personal.
Foto: BK Kontor / MCS / Qwik24
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Faktenlage: Der Pilotstandort Bruckmühl
Das Projekt in Bruckmühl dient „BK Kontor“ als Testlauf für unbemannte Nahversorgungskonzepte an Tankstellen. Hier einige zentrale Betriebs- und Investitionsdaten des Pilot-Stores:
Betreiber: „BK Benzin-Kontor AG“ (Philipp Arner), verwaltet insgesamt 37 Stationen in Südbayern.
Standort-Typ: 30-Fuß-Modulanlage (kein Seecontainer), das Mindestmaß des Konzepts liegt bei 6 x 3 Metern.
Investitionsvolumen: Für einen Modul-Neubau fallen laut Unternehmen circa 100.000 bis 110.000 Euro an. Je nach Größe und Umfang sei eine Integration in Bestandsgebäude bereits ab rund 30.000 Euro realisierbar.
Sortimentsumfang: Der Store führt zwischen 300 und 320 Stock Keeping Units (SKUs; Artikel im Sortiment).
Kundenverhalten:
- Durchschnittsbon: unterer einstelliger Eurobereich (ohne Tabakwaren)
- Artikel pro Einkauf: durchschnittlich 2 bis 3
- Frequenz: Von einstelligen Kundenzahlen bis zu hohen zweistelligen Besucherzahlen an Spitzentagen (Wochenenden oder Feiertage)
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Kundenbindung digital gedacht
Wer regelmäßig Kaffee kauft, profitiert von einer digitalen Stempelkarte: Nach zehn gekauften Kaffees gibt es zwei um sonst – ein einfaches, aber wirksames Treuesystem für den Automatenbetrieb.
Marke und Marketing
MCS verfolgt mit dem Smart-Store-Konzept nicht nur ein Sortiments-, sondern auch ein Markenziel. Kommunikation steht dabei im Mittelpunkt. Werbebotschaften, die im Gedächtnis bleiben, sollen dem Standort eine eigene Identität geben – in Abstimmung mit dem Betreiber vor Ort.
Die Umsetzung erfolgt über den „MCS Connector“: Betreiber können aus unterschiedlichen Werbevorlagen und Templates wählen und diese direkt ausspielen. Darüber hinaus entwickelt MCS spezifische Sortiments- und Marketingkonzepte für SB-Waschpark-nahe Smart-Store-Standorte – ein wachsendes Segment, das die Synergie zwischen Autopflege und Nahversorgung nutzt.

Foto: BK Kontor / MCS / Qwik24

Foto: BK Kontor / MCS / Qwik24
Ein Modell mit Strahlkraft
Was in Bruckmühl begann, könnte Schule machen. Das Pilotprojekt zeigt: Unbemannte Smart-Stores an Tankstellen sind kein Zukunftstraum mehr, sondern gelebte Praxis. Sie lösen ein reales Strukturproblem – fehlende Nachfolger und Pächter –, schaffen Nahversorgung dort, wo sonst nichts mehr ist, und funktionieren wirtschaftlich.
Die Kombination aus regionalem Sortiment, smartem Kundenbindungsprogramm, technologieoffener Infrastruktur und professioneller Markenkommunikation macht das Konzept zu mehr als einem Experiment. MCS und „BK Kontor“ haben mit Bruckmühl eine Blaupause geschaffen – für Tankstellen, die über ihre Zukunft nachdenken.
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Bestseller und Betriebsrahmen
Das Konzept setzt auf eine technologieoffene Plattform (unter anderem Anbindung an „Huth“, „fillibri“, „Madic“ oder „Aifi“ für Grab & Go) und passt sich spezifischen regulatorischen Bedingungen für Automaten-Stores an.
Regulatorische Besonderheiten:
- Genehmigung für 24/7-Betrieb (in Bayern seit 2024 möglich)
- Kein Verkauf von alkoholischen Mixgetränken (RTDs) aufgrund der Branntweinverordnung
- Keine Pfandrücknahmepflicht, da der Store rechtlich als Automat gilt
Top-Seller im Pilot-Store Bruckmühl (Daten aus 2025 & KW 7/26):
Die Verkaufsdaten von „BK Kontor“ zeigen einen starken Fokus auf regionale Frische, Impulsartikel und Heißgetränke.
- Fleisch- oder Wurstwaren (vom regionalen Metzger)
- „Augustiner Hell“ (0,5-Liter-Flasche, konstant in den Top 3)
- Heißgetränke (Cappuccino to go / Heiße Schokolade)
- Tiefkühlkost (zum Beispiel „Dr. Oetker Ristorante Pizza“ oder „Bistro Baguettes“)
- Impuls-Eis (zum Beispiel „Snickers“-Eisriegel)
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Text: Lisa Levy


