
Grafik: infoRoad GmbH / Clever Tanken
Die Kraftstoffpreise in Deutschland sind im Juli deutlich gestiegen. Wie der Verbraucherinformationsdienst „Clever Tanken“ mitteilt, verteuerten sich Super E10 und Diesel nach zwei Monaten mit sinkenden Preisen erheblich. Beide Kraftstoffsorten überschritten im Monatsdurchschnitt wieder die Marke von 2 Euro je Liter.
Im Juli kostete ein Liter Super E10 im Bundesdurchschnitt 2,0817 Euro. Das waren rund 23 Cent mehr als im Juni, als der Durchschnittspreis bei 1,8512 Euro lag. Für vier Tankfüllungen à 60 Liter zahlten Autofahrer rund 499,61 Euro. Das waren etwa 55,32 Euro mehr als im Vormonat und 99,17 Euro mehr als im Juli 2025.
Diesel kostete im Bundesdurchschnitt 2,0795 Euro pro Liter und damit rund 28 Cent mehr als im Juni. Damals hatte der Liter 1,7966 Euro gekostet. Vier Tankfüllungen à 60 Liter schlugen mit rund 499,08 Euro zu Buche. Das entsprach einem Anstieg von 67,90 Euro gegenüber Juni und von 112,22 Euro gegenüber dem Vorjahresmonat.
Diesel fast so teuer wie Benzin
Die Preisdifferenz zwischen Benzin und Diesel ist im Juli nahezu vollständig verschwunden. Während Super E10 im Juni noch 5,46 Cent je Liter mehr kostete als Diesel, lag der Abstand im Juli bei nur 0,22 Cent. Damit verringerte sich die Differenz innerhalb eines Monats um 5,24 Cent je Liter.
Der steuerliche Preisvorteil von Diesel zeigte sich damit kaum noch an den Zapfsäulen. Obwohl die Energiesteuer auf Diesel 18,41 Cent je Liter niedriger liegt, waren beide Kraftstoffsorten im Monatsdurchschnitt nahezu gleich teuer.
Rohöl, Tankrabatt-Aus und Niedrigwasser treiben Preise
Zu Monatsbeginn deuteten die Rahmenbedingungen zunächst auf sinkende Preise hin. Nach einer Entspannung im Nahen Osten fiel der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent auf rund 70 US-Dollar, den niedrigsten Stand seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar. Im Verlauf des Konflikts hatte ein Barrel zeitweise rund 114 US-Dollar gekostet.
„An den Zapfsäulen kam von dem Rückgang der Rohölpreise Anfang Juli jedoch kaum etwas an. Ein wesentlicher Grund dafür war, dass der auf Mai und Juni befristete Tankrabatt der Bundesregierung wie vorgesehen Ende Juni auslief. Damit fiel die staatliche Entlastung von rund 17 Cent je Liter Kraftstoff ab dem 1. Juli weg“, erklärt Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer von „Clever Tanken“.
Zusätzlich begrenzte die seit April geltende Tankpreisbremse den Wettbewerb. Kostendruck verursachte außerdem das extreme Niedrigwasser auf dem Rhein. Auf besonders flachen Abschnitten konnten Tankschiffe teilweise nur rund 20 Prozent ihrer üblichen Ladung aufnehmen. Dadurch waren mehr Schiffe und Fahrten erforderlich.
Im weiteren Monatsverlauf verschärfte sich die Lage am Ölmarkt erneut. Zwar kündigte die „OPEC+“ ab August eine Ausweitung ihrer Fördermenge um 188.000 Barrel pro Tag an. Nach einer erneuten Eskalation zwischen den USA und dem Iran ließen Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus und Sorgen vor Versorgungsengpässen den Brent-Preis jedoch bis auf rund 100 US-Dollar steigen. Gegen Monatsende gaben die Notierungen wieder etwas nach.
Große Preisunterschiede zwischen Städten
Im Vergleich der 20 größten deutschen Städte war Stuttgart im Juli die günstigste Stadt für Super E10. Dort kostete der Liter 2,0437 Euro. Es folgten München mit 2,0481 Euro und Nürnberg mit 2,0550 Euro.
Am teuersten war Super E10 erneut in Dresden mit 2,1188 Euro pro Liter. Dahinter lagen Leipzig mit 2,1168 Euro und Frankfurt am Main mit 2,1019 Euro. Vier Tankfüllungen à 60 Liter kosteten in Dresden rund 508,51 Euro und damit etwa 18,02 Euro mehr als in Stuttgart.
Bei Diesel war Nürnberg mit 2,0566 Euro pro Liter am günstigsten. Es folgten Stuttgart mit 2,0589 Euro und Leipzig mit 2,0609 Euro. Die teuerste Diesel-Tankstadt war ebenfalls Dresden mit 2,1225 Euro pro Liter. Damit gehörte die Stadt den siebten Monat in Folge zu den drei teuersten Diesel-Standorten Deutschlands. Dahinter folgten Wuppertal mit 2,1076 Euro und Frankfurt am Main mit 2,1059 Euro.
Günstigster Tanktag war der 4. Juli
Der günstigste Tanktag war für beide Kraftstoffsorten Samstag, der 4. Juli. Super E10 kostete an diesem Tag im Bundesdurchschnitt 1,9990 Euro pro Liter. Diesel war mit 1,9280 Euro ebenfalls am günstigsten und erreichte denselben Preis auch am 5. und 6. Juli.
Am teuersten war Super E10 am Donnerstag, dem 23. Juli, mit 2,1480 Euro pro Liter. Diesel erreichte seinen Monatshöchststand am Freitag, dem 31. Juli, mit 2,2070 Euro.
Ausblick: Keine staatliche Entlastung im August
Für August erwartet „Clever Tanken“ zunächst keine deutliche Entspannung. Die „OPEC+“ beschloss Anfang August zum sechsten Mal in Folge eine Anhebung ihrer Förderquote. Ab September soll die tägliche Fördermenge um weitere 188.000 Barrel steigen. Ob dadurch mehr Rohöl auf den Weltmarkt gelangt, bleibt offen, da mehrere Produzenten ihre bisherigen Quoten zuletzt nicht vollständig ausschöpften.
„Solange der Konflikt zwischen den USA und dem Iran jederzeit erneut eskalieren kann und die Lage rund um die Straße von Hormus fragil bleibt, dürfte die geopolitische Risikoprämie auf dem Ölmarkt hoch bleiben“, erklärt Bock.
Auch in Deutschland sprechen mehrere Faktoren gegen kurzfristige Preisrückgänge. In der ersten Augustwoche befinden sich alle 16 Bundesländer gleichzeitig in den Sommerferien. Gleichzeitig verteuert der niedrige Rheinpegel den Transport von Mineralölprodukten. Eine Neuauflage des Tankrabatts ist nach Angaben der Bundesregierung nicht geplant.


