Alternative Kraftstoffe – Einführung von HVO100 bei „Euro Rastpark“

Foto: Euro Rastpark

Mit dem CO₂-reduzierten Kraftstoff HVO100 erweitert „Euro Rastpark“ in Jettingen-Scheppach sein Angebot um eine sofort verfügbare Alternative – und reagiert auf Herausforderungen der Mobilitätswende.

Der Wandel der Mobilität stellt Tankstellen- und Autohofbetreiber vor eine doppelte Herausforderung: Einerseits wächst der Druck zur Dekarbonisierung, andererseits bleiben Infrastrukturfragen – insbesondere beim Hochlauf der Elektromobilität im Schwerlastverkehr – vielerorts ungelöst. Am „Euro Rastpark“ in Jettingen-Scheppach zeigt sich, wie ein pragmatischer Umgang mit dieser Situation aussehen kann: Mit der Einführung von HVO100 erweitert der Standort sein Angebot um eine sofort verfügbare, emissionsreduzierte Kraftstoffalternative. Gemeinsam mit „Shell Deutschland“ hat der Autohof den erneuerbaren Diesel „Shell Renewable Diesel“ in sein Portfolio aufgenommen.

Der paraffinische Kraftstoff, auch als HVO100 bekannt, wird aus Abfall- und Reststoffen hergestellt und kann im Vergleich zu fossilem Diesel über den gesamten Lebenszyklus hinweg bis zu 90 Prozent CO₂ einsparen.

Ein entscheidender Vorteil aus Betreibersicht: Der Kraftstoff ist in vielen bestehenden Dieselfahrzeugen ohne technische Anpassungen nutzbar – ein Argument, das insbesondere für Flottenbetreiber und Speditionen zählt.

„Wir freuen uns, mit ‚Shell‘ einen weiteren Baustein zur Dekarbonisierung des Verkehrs zu ergänzen.“
Johannes Witt, Geschäftsführer, „Euro Rastpark Gruppe“

Entsprechend richtet sich das Angebot in Jettingen-Scheppach primär an den gewerblichen Verkehr. Gerade Logistikunternehmen stehen zunehmend unter Druck, ihre Lieferketten klimafreundlicher zu gestalten, ohne dabei auf die notwendige Reichweite und Flexibilität verzichten zu müssen. HVO100 kann hier eine kurzfristig verfügbare Lösung sein, die sich problemlos in bestehende Betriebsabläufe integrieren lässt, sofern noch eine passende Kammer in den Tanks verfügbar ist. Gleichzeitig bleibt das Angebot auch für Pkw-Fahrer offen, die eine alternative Option zum klassischen Diesel suchen.

Transformation in vollem Gange

Die Entscheidung für HVO100 ist am Standort jedoch kein Einzelprojekt, sondern Teil einer umfassenderen Transformationsstrategie. Der „Euro Rastpark“ Jettingen-Scheppach verfügt bereits über ein breites Spektrum alternativer Energieangebote, darunter Bio-LNG sowie zahlreiche Schnellladepunkte für Elektrofahrzeuge („Tesla“, „Allego“, „Ionity“, „Shell Recharge“). Insgesamt wurden in den vergangenen Jahren rund fünf Millionen Euro in den Ausbau zukunftsfähiger Infrastruktur investiert.

Dass dennoch nicht alle Zukunftstechnologien gleichermaßen schnell umgesetzt werden können, zeigt ein Blick auf die Ladeinfrastruktur für den Schwerlastverkehr. Hier stoßen viele Betreiber aktuell an systemische Grenzen, insbesondere beim Netzanschluss. Johannes Witt, Geschäftsführer der „Euro Rastpark Gruppe“, beschreibt die Situation deutlich:

„Die bundeseigene ‚Now GmbH‘ hat eine Abteilung ‚Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur‘, welche die Ladeinfrastruktur für Lkw vorantreibt. Vor einigen Jahren wurde der Entschluss gefasst, Megawatt-Charging an circa 150 PWC-Anlagen zu bringen. Hierfür werden Milliarden ausgegeben, da sehr lange Leitungen gezogen und mancherorts eigene Umspannwerke gebaut werden müssen. Da dies aber offensichtlich bei den Versorgern, die die Netze aufbauen, Vorrang genießt und gleichzeitig an den PWCs sofort die volle Leistung zur Verfügung stehen soll, rutschen wir nach hinten. Konkret wurde uns für 2027 ein Netzanschluß für Pkw- und Lkw-Charging in Aussicht gestellt – diese Frist wurde jetzt auf möglicherweise 2033 verlängert.“

Schnelle Verfügbarkeit von HVO

Vor diesem Hintergrund gewinnt HVO100 zusätzlich an Bedeutung. Für viele Standorte ist die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs derzeit schlicht nicht kurzfristig realisierbar. Alternative Kraftstoffe können hier eine wichtige Brückenfunktion übernehmen – sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich.

Für Tankstellenbetreiber ergibt sich daraus eine klare Erkenntnis: Der Weg in die Zukunft der Mobilität verläuft nicht linear. Statt auf eine einzelne Technologie zu setzen, kann ein technologieoffener Ansatz sinnvoll sein, der sowohl elektrische als auch alternative flüssige und gasförmige Energieträger berücksichtigt. Der „Euro Rastpark“ in Jettingen-Scheppach liefert dafür ein praxisnahes Beispiel – und zeigt, wie sich Investitionen in neue Angebote bereits heute auszahlen können.


Auf der Bühne diskutierten: Johannes Witt, Dr. Michael Haberland, Rallye-Weltmeister Christian Geistdörfer und Florian Linsinger („Shell“; v. l.); „tankstelle“-Chefredakteurin Lisa Levy moderierte. „Shell Renewable Diesel“ ergänzt das Angebot am Standort neben Bio-LNG, 38 Schnellladepunkten und einer umfangreichen Park- und Serviceinfrastruktur.

Text: Lisa Levy Fotos: Fotos: Lisa Levy, Mobil in Deutschland e.V., Euro Rastpark, Shell, Christian Wimmer

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