
Foto: Deutscher Bundestag/Inga Haar
Bis 2045 will Deutschland klimaneutral sein. Die rund 14.000 Tankstellen im Land wollen den Weg begleiten. Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr (BMV), über das Nebeneinander von E-Mobilität und flüssigen Kraftstoffen, den Strukturwandel an der Zapfsäule und die Förderung regenerativer Kraftstoffe.
Dieser Beitrag „Tankstellen bleiben Energielieferant für unsere Mobilität“ ist am 15. Juni 2026 in der Juli-Ausgabe des „tankstelle“-Magazins erschienen.
Welche Rolle werden klassische Tankstellen in einem zunehmend elektrifizierten Verkehrssystem künftig spielen?
Christian Hirte: Viele Tankstellenunternehmen sind heute schon Ladeinfrastrukturbetreiber und leisten ihren Beitrag zum Ausbau einer flächendeckenden, bedarfsgerechten und nutzerfreundlichen Ladeinfrastruktur. Ich gehe fest davon aus, dass Tankstellen auch künftig ihre Rolle als Energielieferant für unsere Mobilität in Deutschland einnehmen, auch vor dem Hintergrund, dass wir noch lange Verbrenner im Fahrzeugbestand haben werden.
Gibt es konkrete Pläne, Tankstellen stärker in die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge zu integrieren oder sie zu multifunktionalen Energie-Hubs umzubauen?
Lade-Hubs entstehen in der Regel nicht an klassischen Tankstellen-Standorten, sondern dort, wo das Laden besser in den Alltag der Nutzerinnen und Nutzer integriert wird, zum Beispiel auf Parkplätzen vor Supermärkten, Kinos oder Restaurants. Die klassische Tankstelle selbst ist im Wandel, den die Unternehmen selbst für sich aktiv gestalten müssen. Für die Perspektive spielt vor allem der Standort eine große Rolle und hier haben Tankstellen wie erwähnt einen strukturellen Vorteil.
Sehen Sie langfristig ein Nebeneinander von Elektromobilität und flüssigen Kraftstoffen – und welche strategische Rolle spielen Tankstellen dabei bis 2045?
Ja, beide Technologien werden nebeneinander bestehen. Das BMV setzt sich hier für Technologieoffenheit ein. Im Kabinettsbeschluss zur nationalen Umsetzung der RED III haben wir gemäß Koalitionsvertrag Anreize für erneuerbare Kraftstoffe gesetzt.
Zur Erreichung der Klimaziele der Bundesregierung ist die Elektrifizierung des Verkehrssektors die Schlüsseltechnologie. Der E-Mobilitätsmarkt ist in der Entwicklung: Der Fahrzeughochlauf hat begonnen, die Bestandszahlen und die Modellvielfalt wachsen, Preisvorteile nehmen zu und der Ausbau der Infrastruktur schreitet voran. Für viele Verbraucher wird Elektromobilität wegen ihrer Preisvorteile die Vorzugstechnologie sein.
Die Bestandsflotte ist auf flüssige Kraftstoffe angewiesen und kann durch die Nutzung von regenerativen Kraftstoffen ebenfalls einen Beitrag zur THG-Einsparung in der Produktion leisten. Im Schwerlastverkehr werden je nach Anwendungsbereich auch erneuerbare Kraftstoffe weiterhin genutzt werden.
Wie bewertet Ihr Ministerium die Bedeutung von E-Fuels und Biokraftstoffen für Tankstellen im Straßenverkehr der nächsten Jahrzehnte?
Insbesondere der Schwerlastverkehr und dessen Bestandsflotte sind auf klimafreundliche Alternativen zu fossilen Kraftstoffen angewiesen. Hier eignen sich fortschrittliche Biokraftstoffe oder strombasierte Kraftstoffe besonders gut: Mit ihnen können hohe Treibhausgaseinsparungen in der Produktion erzielt werden und – da sie physikalisch und chemisch sehr ähnlich zu fossilen Kraftstoffen sind – können für ihre Betankung bestehende Tankstellen weiter genutzt werden.
Wie wollen Sie sicherstellen, dass auch alternative Kraftstoffe für Verbraucher bezahlbar und flächendeckend verfügbar bleiben?
Wir fördern regenerative Kraftstoffe mit einem technologieoffenen und verkehrsträgerübergreifenden Gesamtkonzept, welches – über Fördermittel und eine entsprechende Regulatorik – den Markthochlauf erneuerbarer Kraftstoffe anreizen und ein breites Angebot schaffen soll. Aktuell unterstützen wir 19 Projekte zur Entwicklung regenerativer Kraftstoffe mit rund 117 Millionen Euro.
Durch die Treibhausgasminderungsquote sind die Kraftstoffanbieter verpflichtet, regenerative Kraftstoffe in den Verkehr zu bringen. Diese Verpflichtungen steigen bis 2040 an und tragen so zur Produktion und Kostendegression sowie Planungssicherheit bei.
Text: Lisa Levy


