
Tankstelle, Ladepark und Bistro mit Flughafenblick: Beim Besuch der „tankstelle“-Redaktion am 28. Mai 2026 wurde schnell deutlich, dass der „Autohof Hannover Airport“ in Langenhagen mehr ist als nur ein Ort für den kurzen Tankstopp. Nach dem Baubeginn Ende September 2024 nahm der rund 45.000 Quadratmeter große Standort am 17. April 2026 offiziell den Betrieb auf. Betreiber ist die seit mehr als 60 Jahren in Hannover ansässige „Mundt GmbH“, die heute in dritter Generation geführt wird. Durch die Lage unmittelbar an der A352 sind auch die A2 und A7 schnell erreichbar.
„Ankommen. Auftanken. Weiterfahren“ – dieses Serviceversprechen will der „Autohof Hannover Airport“, unter Stationsleitung von Julian Duda, seinen Gästen in allen Bereichen erfüllen. Ein Gesamtkonzept, das ökologische Verantwortung, moderne Infrastruktur und Wohlfühlfaktor geschickt vereint.
Kraftstoffvielfalt statt Einheitslösung
Im Mittelpunkt steht ein umfassender Multi-Fuel- und Multi-Service-Ansatz. Wer hier Energie nachfassen möchte, hat entsprechend die Wahl: Zum Angebot gehören Benzin und Diesel, AdBlue sowie das HVO100 „Shell Renewable Diesel“. Ab Mitte September 2026 wird das Angebot zudem um eine Wasserstofftankstelle von „H2 Mobility“ ergänzt. An drei Fahrspuren soll dann zu 100 Prozent grüner Wasserstoff mit 350 und 700 bar für Lkw, Busse, Transporter und Pkw erhältlich sein.



Laden mit voller Leistung
Auch bei der Elektromobilität setzt der Standort auf ein breites Angebot. Für Pkw und Transporter stehen insgesamt 14 Ladeplätze mit einer Leistung von bis zu 300 Kilowatt bereit: zehn in einem eigenen Ladepark sowie vier weitere neben den konventionellen Zapfsäulen. Letztere sind großzügig dimensioniert und sollen auch mobilitätseingeschränkten Kunden einen komfortablen Zugang ermöglichen. Dabei soll die verfügbare Leistung jedoch nicht zur Glückssache werden: Jan Hartwig, Geschäftsführer der „Mundt GmbH“, erklärte beim Besuch, dass an jedem Ladepunkt auch bei vollständiger Belegung die volle Leistung von 300 Kilowatt abrufbar sei. Alexander Bialdyga, Head of E-Mobility Delivery DACH bei „Shell Recharge“, betont: „Die verfügbare Leistung sticht heraus“, worauf Reiner Mundt, Gesellschafter-Geschäftsführer der „Mundt GmbH“, mit einem Schmunzeln ergänzt: „Nicht nur optisch.“
Für Lkw gibt es drei überdachte Schnellladespuren mit vier Ladesäulen sowie sechs Overnight-Ladeplätze. Die im Rahmen der strategischen Partnerschaft mit „Shell“ errichtete Infrastruktur erreicht Ladeleistungen von bis zu 400 Kilowatt und wird mit zertifiziertem Ökostrom versorgt.



Nachhaltigkeit beginnt nicht erst an der Ladesäule
Nachhaltigkeitsaspekte spielten nach Angaben der Betreiber bereits bei der Konzeption eine zentrale Rolle. Man habe „den Standort komplett neu denken“ wollen, so Hartwig, vom Bau bis zum laufenden Betrieb. Rund ein Viertel der Gesamtfläche besteht aus Grünflächen, auf denen etwa 12.000 Bodendecker und Sträucher sowie 40 Bäume gepflanzt wurden. Holz dient unter anderem bei den Dachkonstruktionen des Hauptgebäudes und der Überdachung des Pkw-Ladeparks als zentraler Baustoff. Auf Erdgas und Heizöl wird am Autohof vollständig verzichtet.


Auch auf den Dächern arbeitet der Standort mit: 574 Photovoltaik-Module mit einer Gesamtleistung von rund 225 Kilowattpeak sollen jährlich etwa 200.000 Kilowattstunden Strom erzeugen. Ergänzt werden sie durch einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von 516 Kilowattstunden. Der erzeugte Strom fließt unter anderem in Beleuchtung, Klimatisierung und Beheizung des Autohofs.
Mehr Zuverlässigkeit bei der Parkplatzsuche

Für den Schwerlastverkehr stehen 117 Lkw-Stellplätze auf einer rund 25.000 Quadratmeter großen Parkfläche bereit. Wer nach einem langen Fahrtag keine Lust auf Stellplatz-Roulette hat, kann vorab online reservieren oder spontan einen freien Platz buchen. Kurzstopps von bis zu zwei Stunden sind kostenfrei. Kennzeichenerkennung, Schrankenanlage und digitale Abrechnung sollen Suchverkehr und Wartezeiten reduzieren. Nach Betreiberangaben gehört die automatisierte Zufahrt zu den ersten Systemen dieser Art an einem deutschen Autohof.
Das umzäunte Gelände wird zudem von 120 KI-gestützten Kameras überwacht. Das für 72 Stunden gespeicherte Bildmaterial kann im Ereignisfall anhand definierter Kriterien durchsucht werden, etwa bei Ladungs-, Fahrzeug- oder Kabeldiebstählen. Damit soll das Parken nicht nur planbarer, sondern auch sicherer werden.
Komfort ohne Umwege

Auch die Verkehrsführung wurde auf Lkw und eine hohe Auslastung zugeschnitten. Einbahnstraßen, breite Fahrspuren, großzügige Wendebereiche und ausreichende Rückstauflächen sollen den Aufenthalt „besonders komfortabel“ gestalten, betont Hartwig. Das klingt zunächst nüchtern, dürfte für Fahrer großer Gespanne im Alltag aber einen spürbaren Unterschied machen.

Für Berufskraftfahrer gibt es moderne Sanitäranlagen mit sieben Duschen. Der Zugang erfolgt digital per QR-Code. Ein gemeinsam mit „Bosch“ entwickeltes Ampelsystem zeigt an, ob eine Dusche frei, belegt oder zur Reinigung vorgesehen ist. Rot, Grün und Gelb gibt es damit auch abseits der Straße, nur hoffentlich ohne längeren Stau. Waschmaschinen und Trockner stehen ebenfalls zur Verfügung. Für Unterhaltung sorgt eine Trucker-Lounge mit zwei Spielautomaten und einem Fernseher.
Ein Gate, das der Flughafen nicht hat
Der Autohof bündelt sein gastronomisches Angebot im Bistro „Gate One“. Der Name greift – wie auch die dekorativen Elemente im Bistro- und Sanitärbereich – die Nähe zum Flughafen auf und bringt eine kleine Besonderheit mit sich: Während es am Flughafen Hannover kein Gate 1 gibt, findet man es am Autohof. Gunnar Brendes, Betriebsleiter Gastronomie bei der „Mundt Gruppe“, bringt mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Gastronomie mit. Die warme Küche ist täglich von sechs bis 21 Uhr geöffnet und bietet Frühstück, Mittag- und Abendessen. Mittags stehen drei wechselnde Menüs zur Auswahl, darunter ein Fleischgericht, eine vegetarische Variante und ein Eintopf.



Bestellungen sind auch über ein digitales Self-Ordering-Terminal möglich. Das Bistro beteiligt sich am Mehrwegsystem „Recup/Rebowl“; Mehrwegbehälter können bereits bei der Onlinebestellung ausgewählt werden. Zum Bistro gehören außerdem ein offen und freundlich gestalteter Sitzbereich im Inneren sowie ein rund 200 Quadratmeter großer Terrassenbereich mit direktem Blick auf die Startbahn des Flughafens – so wird das Mittagessen wahrlich zum Erlebnis. Wer später ankommt oder nur schnell etwas für die Weiterfahrt benötigt, findet im rund um die Uhr geöffneten Shop eine zusätzliche Anlaufstelle.


Mehr als die Summe der Einzelteile
Nach dem Rundgang bleibt vor allem der Eindruck, dass die einzelnen Bausteine nicht zufällig nebeneinanderstehen. Kraftstoffangebot, Ladeinfrastruktur, Energieversorgung, Parkmanagement, Sicherheit, Gastronomie und Fahrerkomfort greifen sichtbar ineinander. Es zeigt sich: Der Standort denkt Mobilität nicht nur von der Zapfsäule aus, sondern vom Ankommen bis zur Weiterfahrt. Genau für dieses runde Gesamtkonzept erhielt der „Autohof Hannover Airport“ bei der Auszeichnung „Tankstelle des Jahres“ den Sonderpreis „Gesamtkonzept“.
Text: Tabea Schmelz


