CarWash & CarCare – Das Erfolgskonzept von „Carfunkel“

Foto: Gerhard Hörner

Kaum hatte Franz Maier seinen früheren Job als Banker an den Nagel gehängt, startete er durch. Mit großem Erfolg. Die neue Waschstraße im oberbayerischen Pfraundorf bei Rosenheim ist bereits Betrieb Nummer 15, der zu seiner „Carfunkel“-Familie gehört.

Dieser Beitrag „Carfunkel: Wuschelweiche Wagenwäsche“ ist am 15. Juni 2026 in der Juli-Ausgabe des „tankstelle“-Magazins erschienen.

Franz Maier ist in der Carwash-Branche nicht nur hoch angesehen, sondern auch sehr beliebt. Sonst hätte Karlheinz Schüßler den Betreiber von fünf „Carfunkel“-Waschstraßen der „tankstelle“-Redaktion wohl kaum empfohlen. „Macht doch mal eine Reportage über Franz Maier, der seinen Kunden einen tollen Service bietet“, hatte der Chef einer Tankstelle in Unterfranken gesagt, zu der auch eine Portalanlage gehört. Jürgen Bartmann, Betreiber der Waschwelt in Weiden, hält auf Maier ebenfalls große Stücke. „Franz ist ein Kollege, der trotz seines Erfolgs bescheiden und hilfsbereit geblieben ist. Wenn du etwas wissen willst – zu ihm kannst du immer kommen.“ Dieser Eindruck bestätigt sich, als Maier nach dem Termin an seiner neuen Anlage in Pfraundorf bei Rosenheim zum regelmäßigen Stammtisch mit seinen Kollegen nach Miesbach einlädt. Bevor es beim Bräuwirt zum gemütlichen Teil übergeht mit Essen, Trinken und Ratschen, wie man in Bayern sagt, unter halten sich die sechs Betreiber von Waschstraßen übers Geschäft. Top-Thema an diesem Abend: die Energiekosten. Bei einem Kollegen ist die Nachzahlung ziemlich hoch ausgefallen. „Kannst du dir vielleicht mal meine Abrechnung anschauen, Franz?“ „Logisch“, lautet die Antwort, „schick sie mir einfach rüber.“ Dass Maier von Zahlen etwas versteht, ist wenig erstaunlich.

Schließlich hat er viele Jahre bei der Bank im Bereich Kreditanalyse und Sanierungskonzepte gearbeitet, bevor es ihm dort 2008 zu langweilig wurde. Fast schon sensationell ist es dagegen, wie schnell er in einer völlig neuen Branche Fuß fassen konnte. Ohne große Vorkenntnisse, auch wenn er schon als Banker nebenbei in Erding und Bad Aibling zwei SB-Anlagen betrieb. „2008 habe ich quasi bei Null angefangen“, erzählt Maier. Das hinderte ihn nicht daran loszulegen wie die Feuerwehr, nachdem er seinen alten Job an den Nagel gehängt hatte. Noch im selben Jahr eröffnete er in Dingolfing seine erste „Carfunkel“-Waschstraße. Danach ging es Schlag auf Schlag. Mittlerweile sind es fünf Waschstraßen geworden. Zehn SB-Anlagen mit 55 Wasch- und 106 Staubsaugerplätzen zählen ebenfalls zur „Carfunkel“-Familie, die an 13 Standorten vertreten ist. Die meisten liegen in Ober- und Niederbayern, zwei im österreichischen Bundesland Tirol.

Der bestmögliche Service
Die „Carfunkel“-Waschstraße in Pfraundorf ist 50 Meter lang und mit der modernsten Technik des Herstellers „Holz“ ausgestattet: Neben zwei Dachwalzen, einem speziellen Frontwäscher und vier mitfahrenden Rundumwäschern wird das Wascherlebnis außerdem von einem mitfahrenden Rundumtrockner begleitet.
Foto: Gerhard Hörner

„Wenn man etwas wirklich erreichen will, kann man es auch schaffen.“ Maiers Erfolgsrezept hört sich simpel an. Ganz so einfach war es aber nicht. Hinter seinem Aufstieg zum Mehrfachbetreiber steckt jede Menge Arbeit. Dazu gehört auch die konsequente Ausrichtung des Unternehmens an den Bedürfnissen der Kunden. Im Marketing wird das Customer Relationship Management (CRM) genannt. Maier interpretiert diesen Begriff wie folgt: „Unsere Aufgabe als Dienstleister ist es, den bestmöglichen Service zu bieten. Nur so können wir Kunden gewinnen und binden.“ Erfolgreich praktiziert dies Maier auch an seiner neuen Waschstraße in Pfraundorf, das zu Raubling gehört, Rosenheims Nachbargemeinde. Die Anlage ist das jüngste Mitglied der „Carfunkel“-Familie und wurde im März 2025 nach aufwändigem Um- und Neubau des Areals eröffnet, auf dem früher der „Bosch“-Dienst zu Hause war. Auch wenn das erst ein knappes Jahr her ist, läuft das Waschstraßengeschäft bereits wie geschmiert. Während des Termins passiert ein Fahrzeug nach dem anderen die Einfahrt. Trotz des frühen Nachmittags. Maier verrät zwar keine Waschzahlen. „Aber es reicht, damit wir unsere Schulden zurückzahlen können“, sagt er schmunzelnd. Dies lässt vermuten, dass in Pfraundorf bereits im ersten Jahr mehr als 35.000 Autos gewaschen wurden. „Wenn es weniger wären, würde ich lieber zu Hause auf dem Sofa sitzen bleiben oder eine Bergwanderung in unserer Region machen.“

Auffällig ist auch, dass nicht wenige Fahrzeuge seiner Kunden fremde Kennzeichen haben wie zum Beispiel MB (Miesbach) oder TS (Traunstein). „Manche Kunden kommen sogar aus Kitzbühel, die unsere Marke ‚Carfunkel‘ von den Anlagen in Kufstein oder Wörgl kennen.“ Es spricht sich nun mal herum, wo guter Service geboten wird. Garniert mit Wascherlebnissen der besonderen Art. „Das beginnt schon am Kassenhäuschen“, erzählt Maier. „Dort fragen wir mitfahrende Kinder, ob sie Gummibärchen oder Traubenzucker mögen.“ Da greifen neben Kleinen auch Große gerne zu. Unmittelbar danach folgt das nächste Erlebnis. Die textile Schaumwäsche in der 50 Meter langen Waschstraße, ausgestattet mit der modernsten Technik. Hergestellt von der Firma „Holz“ aus Senden bei Ulm. Zu den Highlights gehören zwei Dachwalzen, ein spezieller Frontwäscher sowie vier mitfahrende Rundumwäscher. Hinzu kommt ein mitfahrender Rundumtrockner, eine Neuheit von „Holz“. Innovative Technologie, die „deutlich mehr kostet als Systeme anderer Hersteller, aber auch wesentlich mehr leistet und exakt funktioniert“, wie Maier betont. Deshalb redet die Branche oft „vom Mercedes unter den Waschstraßen“, wenn es um die hohe „Holz“-Qualität geht. Maier sieht das etwas anders. „Ich spreche vom ,BMW unter den Waschstraßen‘, schließlich werden die besten Autos in unserer Region gebaut“, sagt der passionierte Bayer, der auch ein Fahrzeug dieser Marke fährt.

Persönliche Beratung
„Beim Bezahlen setzen wir nicht auf Automaten, sondern auf persönlichen Kontakt. Die Mitarbeiter an der Kasse sollen die Kunden beraten, damit sie die richtige Wäsche bekommen“, betont der Geschäftsführer.
Foto: Gerhard Hörner

Weg vom Thema Automarken, zurück zur Wäsche und dem „Carfunkel“-Standort Pfraundorf, den Maier weiter vorantreiben möchte. Im firmeninternen Waschstraßen-Ranking liegt die Waschstraße in Landshut zwar noch knapp vorn. „Ich rechne aber damit, dass wir hier künftig auf ähnliche Umsatzzahlen kommen“, sagt Maier. Der Fokus bei der Express-Waschstraße in Pfraundorf liegt auf Vollautomatisierung, die hohen Durchsatz ermöglicht. Eine manuelle Vorreinigung wird nur bei sehr stark verschmutzten Fahrzeugen durchgeführt. „Normalerweise ist das nicht notwendig, weil die leistungsstarke Technik gleichbleibend hohe Qualität garantiert – von früh morgens bis abends.“ Dennoch spielen Mitarbeiter in Maiers Konzept eine wichtige Rolle. „Beim Bezahlen setzen wir nicht auf Automaten, sondern auf persönlichen Kontakt. Die Mitarbeiter an der Kasse sollen die Kunden beraten, damit sie die richtige Wäsche bekommen.“ Allerdings hat Maier festgestellt, dass es beim Personal gravierende Unterschiede gibt. „Deshalb führen wir immer wieder Schulungen durch.“

Geschickt Preise setzen

Die Preisskala der vier Grundprogramme beginnt bei 13 Euro (Bronze). Danach folgen Silber und Gold mit 17 und 20 Euro. Wer weitere fünf Euro hinblättert, bekommt die Top-Wäsche Platin. Inklusive Lava- und Nano-Wax sowie Felge-Plus-Reinigung, die einzeln gebucht drei beziehungsweise fünf Euro kosten würden. Gratis hinzu kommt ein Pflegemittel nach Wahl oder eine Dose „Red Bull“. Abgestimmt auf die Jahreszeit gibt’s auch Saison-Angebote. „Die Winterwäsche mit Trocknen umfasst zum Beispiel Hartwachs, Glanzpolitur, Unterbodenwäsche sowie einen Liter Scheibenwasser – für schlanke 18 Euro.“ Das ist auch der Wert des Durchschnittspreises (brutto), den der „Carfunkel“-Chef in Pfraundorf pro „wuschelweicher Wagenwäsche“ (Slogan) erwirtschaftet. Viele Autofahrer sind aber gern bereit, etwas mehr zu bezahlen. „Ein Drittel bucht Platin.“ Dass die Kunden hochwertige Wasch-Qualität zu schätzen wissen, hängt mit Maiers cleverer und transparenter Preisstrategie zusammen. „Zur Eröffnung sind wir mit acht, zehn, zwölf und 14 Euro für die vier Programme gestartet. Dabei haben wir gleich vermittelt, dass wir in den nächsten fünf Monaten um jeweils einen Euro hochgehen werden.“

Ein weiteres Highlight in Pfraundorf ist die voll verglaste Indoor-Halle, ausgestattet mit 28 Plätzen zum Staubsaugen sowie Automaten zum Mattenreinigen und Druckluftgeräte. Dieses Angebot wird gern genutzt, zumal es kostenlos ist. Schließlich steigt auch in Pfraundorf die Zahl die Menschen, die einen Euro zweimal herumdrehen müssen, bevor sie ihn ausgeben, obwohl der Standort in keiner armen Region liegt. „Für manche Kunden, deren Budget früher bis zum 26. oder 27. des Monats gereicht hat, ist jetzt schon am 22. Schluss“, erzählt Maier. „Das sehen wir an unseren Zahlen.“ Umso mehr freut er sich, dass mittlerweile jeder zweite Kunde eine „Carfunkel“-Karte besitzt. „Das senkt zwar den Durchschnittspreis, dafür kommen die Leute häufiger zum Waschen.“ Weil die Karte zahlreiche Möglichkeiten zum Sparen bietet. Sie ist nicht nur innerhalb der Familie übertragbar, sondern beinhaltet auch einen 20-prozentigen Lade-Bonus. Hinzu kommen ganztägige Happy-Hour-Preise. So kostet das Platin-Programm am klassisch schwachen Mittwoch statt 25 nur 18 Euro. Außerdem gibt’s im Austausch stets ein frisches Frottiertuch sowie jede 20. Wäsche zum Null-Tarif. Führerschein-Neulinge und Käufer eines neuen Fahrzeugs erhalten die „Carfunkel“-Card sogar geschenkt – mit 50 Euro Startguthaben. Maier lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen: An manchen Tagen bekommen Kunden, deren Fahrzeug eine bestimmte Farbe hat, die Top-Wäsche zum Nulltarif. Solche Aktionen beleben das Geschäft. Zudem sorgen sie dafür, dass die Zahl der Follower und Likes in den Social-Media-Kanälen von „Carfunkel“ steigt.

Bei der Flatrate-Wäsche legt Maier dagegen zunächst eine Pause ein. Obwohl das Angebot zum jährlichen Fixpreis (365 bis 575 Euro) an seinen Standorten in Passau sowie in Dingolfing und Landshut auf positive Resonanz gestoßen ist. „Ich möchte schauen, wie sich die Kunden verhalten, wenn es keine Flatrate gibt, rechne aber damit, dass die Waschzahlen deutlich zurückgehen, während der Umsatz gleich bleiben wird.“

Eine Selbstverständlichkeit ist für Maier das Thema Nachhaltigkeit. So nutzt er in Pfraundorf alle Möglichkeiten, die technisch machbar sind, um seinen ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten. Das beginnt beim Waschwasser, das biologisch aufbereitet und anschließend erneut verwendet wird. Ergänzend dazu hat Maier fünf Zisternen eingebaut, die jeweils eine Kapazität von 10.000 Litern haben, um Regenwasser zu sammeln. „Solche Maßnahmen reduzieren den Frischwasseranteil enorm.“ Zudem ist der Standort neben einer modernen Wärmepumpe mit einer Photovoltaikanlage (200 Kilowattpeak) ausgestattet, die grünen Strom erzeugt. „Damit decken wir im Sommer 60 bis 70 Prozent unseres Bedarfs.“ Momentan plant Franz Maier schon den nächsten Schritt. Mit einem Batteriespeicher will er noch mehr Energiekosten sparen sowie die „Carfunkel“-Anlage noch umweltfreundlicher und attraktiver machen.

Text: Gerhard Hörner

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