
Foto: Christian Kruppa / „BVTE“
Der „Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse“ (BVTE) kritisiert die geplanten Tabaksteuererhöhungen als wirtschaftspolitisch riskant. Die aktuellen Pläne sehen innerhalb von 16 Monaten zusätzliche Einnahmen von rund 2,8 Milliarden Euro bis Ende 2027 vor – Erwartungen, die der Verband für unrealistisch hält.
„Diese Rechnung wird nicht aufgehen. Wer in kurzer Zeit massive Preissteigerungen erzwingen will, riskiert eine Verlagerung in den Schwarzmarkt und am Ende geringere statt höherer Steuereinnahmen“, erklärt „BVTE“-Hauptgeschäftsführer Jan Mücke.
Schwarzmarkt bereits auf hohem Niveau
Der Anteil nicht in Deutschland versteuerter Zigaretten lag 2025 bei 20,9 Prozent, in Ostdeutschland sogar bei über 40 Prozent. Ermittlungsbehörden registrieren zudem zunehmend Fälle organisierter illegaler Produktion: Immer häufiger werden illegale Zigarettenfabriken aufgedeckt. Der „BVTE“ sieht in weiteren Steuererhöhungen einen Beschleuniger dieses Trends.
Gleichzeitig weist der Verband auf ungenutztes Einnahmepotenzial hin: Rund 1,5 Millionen Deutsche konsumieren tabakfreie Nikotinbeutel, doch eine Regulierung fehlt bislang – dem Staat entgehen dadurch jährlich etwa 400 Millionen Euro.
Erfahrungen aus Vergangenheit und Nachbarländern
Der „BVTE“ verweist auf die Tabaksteuererhöhungen zwischen 2002 und 2005, die statt Mehreinnahmen zu Einnahmeverlusten und einer nachhaltigen Etablierung des Schwarzmarkts führten. Nachbarländer zeigen ähnliche Entwicklungen: In Frankreich liegt der Anteil illegal konsumierter Zigaretten inzwischen bei rund 38 Prozent. In den Niederlanden brach der legale Zigarettenabsatz seit 2020 nach drastischen Steuererhöhungen um 44 Prozent ein, der Feinschnittmarkt sogar um 78 Prozent.
Aufgrund seiner geografischen Lage zu Niedrigsteuerländern wie Polen und Tschechien sei Deutschland für solche Effekte besonders anfällig.
Arbeitsplätze unter Druck
Neben fiskalischen Risiken warnt der Verband vor wirtschaftlichen Folgeschäden entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Industrie über Logistik bis zum Handel.
„Wer strukturelle Haushaltsprobleme mit immer neuen Steuererhöhungen lösen will, gefährdet nicht nur stabile Einnahmen, sondern auch Arbeitsplätze und funktionierende Marktstrukturen“, so Mücke.
Der „BVTE“ fordert stattdessen eine langfristig angelegte Steuerpolitik mit moderaten Anpassungen.


