
2025 bewegten sich die Waschzahlen auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr. Doch wie geht’s bis 2035 und 2045 weiter? Mit diesem Thema befasst sich die Studie „Zukunft der Autowäsche“ von Georg Huber, Vorstandsvorsitzender des BTG.
Dieser Beitrag „Autowäsche heute, morgen, übermorgen“ ist in der März-Ausgabe des „tankstelle“-Magazins am 16. Februar 2026 erschienen.
Meist freundlich, ziemlich mild, extrem trocken: Das Wetter im ersten Halbjahr 2025 war so, wie es sich Betreiber von Waschanlagen wünschen. Doch dann schlug es ins Gegenteil um. Die folgenden sechs Monate waren von viel Nässe und teilweise langanhaltenden Regenfällen geprägt. Georg Huber wurde davon nicht groß überrascht. „Wie in der Vergangenheit hat sich die Wetterlage übers gesamte Jahr betrachtet weitgehend nivelliert“, sagt der Vorstandsvorsitzende beim „Bundesverband Tankstelle und Gewerbliche Autowäsche“ (BTG). Dadurch haben sich die anfänglichen Erwartungen der Branche nicht ganz erfüllt. „Wahrscheinlich werden sich die Waschzahlen 2025 auf einem ähnlichen Niveau bewegen wie im Vorjahr.“ Das hieße auf Durchschnittswerten zwischen 38.000 bis 42.000. Im Interview mit der „tankstelle“ Anfang Dezember machte der Betreiber der „Waschhalle“ in Tuttlingen allerdings Hoffnung auf einen Endspurt zum Jahresausklang. „Wenn der letzte Monat mitspielt, können wir eventuell mit einem leichten Wachstum rechnen.“
Inzwischen ist das Jahr 2025 Geschichte. Folglich richtet die Branche ihren Blick nach vorn. Auf die „Zukunft der Autowäsche“. Unter diesem Titel hat Huber eine Studie verfasst. Diese basiert auf der Expertise von vier BTG-Arbeitsgruppen. Darin vertreten waren Betreiber, Maschinenhersteller, Chemieproduzenten und Anbieter von Wasseraufbereitungs-Systemen.
„Die Einbeziehung unterschiedlicher Perspektiven gewährleistet eine ganzheitliche Sichtweise auf die gewerbliche Autowäsche, die sich in einem tiefgreifenden Wandel befindet“, betont Huber. „Kundenansprüche, gesetzliche Anforderungen, Klimadiskussionen und Personalfragen verändern das Marktumfeld mit wachsender Dynamik.“

Foto: Gerhard Hörner
Umso wichtiger sei es, vorausschauend zu denken – mit einem klaren Blick auf langfristige Entwicklungen. In der Studie richtet der „Arbeitskreis Zukunft“ des BTG seinen Fokus auf neun zentrale Faktoren, die maßgeblichen Einfluss auf das Umfeld der Branche haben. Ausgehend vom Ist-Zustand wurden verschiedene Szenarien für die nächsten zehn bis 20 Jahre entworfen. Anschließend bewerteten die Experten, welche Folgen die Betreiber ableiten können, wenn sich die Faktoren verändern. Die „tankstelle“ fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen.
Bevölkerung und Demographie
Der Anteil älterer Menschen nimmt kontinuierlich zu. Außerdem bleiben sie länger mobil, sind jedoch oft weniger technikaffin oder physisch eingeschränkt. Parallel dazu gibt es die junge, digital geprägte Generation, die mit E-Commerce, Apps und Self-Service groß geworden ist. Die Branche muss den Erwartungen beider Gruppen gerecht werden. Das ist durchaus möglich – setzt jedoch eine konsequente Kundenorientierung und neue Konzepte voraus, die digital und einfach, gleichzeitig aber auch altersgerecht und barrierefrei sind. Deshalb muss die Bedienbarkeit noch intuitiver, sicherer und komfortabler werden. Konkret heißt das: klare Benutzerführung, fehlerverzeihende Technik und optionaler Support.
Technik und Assistenzsysteme
Dieser Faktor wird sich zukünftig noch dynamischer entwickeln als in den letzten zehn Jahren. Vor allem durch die fortschreitende Digitalisierung und den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Ein vielversprechendes Beispiel ist die automatisierte Erkennung und Klassifizierung von Fahrzeugen und Modellen. Daran könnten Waschprogramme spezifisch angepasst werden. Die Herausforderung besteht aber nicht darin, alles zu realisieren, was technisch möglich ist, sondern darauf zu achten, welche Dinge praxistauglich sind und sich rentabel umsetzen lassen. Das gilt besonders für die Phase, wenn fahrerlose Autos auf Fahrzeuge treffen, die noch von Menschen gelenkt werden.
Gesetzlicher Rahmen

Foto: Gerhard Hörner
Wer neue Anlagen plant oder bestehende modernisiert, muss sich auf strengere Vorgaben und längere Genehmigungszeiten einstellen. Außerdem
müssen Betreiber damit rechnen, dass Rohstoffe weiter reguliert werden, die in der Waschchemie zum Einsatz kommen. Auch die Nationale Wasserstrategie der Bundesregierung dürfte in den kommenden Jahren konkrete Auswirkungen auf Betreiber haben. Zum Beispiel in Form neuer Auflagen und Nachweispflichten, aber auch Förderanreizen. Dadurch wird die Gesetzgebung zum entscheidenden Faktor für die Branche. Um sich Wettbewerbsvorteile zu sichern, ist es wichtig, sich auf veränderte Rahmenbedingungen flexibel und möglichst schnell einzustellen.
Politik
Technische und demographische Entwicklungen sind oft schon vorab zu erkennen. Welche Politik in Zukunft gemacht wird, ist dagegen ist in erster Linie von Wahlen abhängig – und damit weitgehend unvorhersehbar. Ein Regierungswechsel kann innerhalb weniger Jahre grundlegende Richtungsänderungen zur Folge haben. In der Steuer-, Umwelt- und Verkehrspolitik, die maßgeblich vom Bund gesteuert wird, aber auch bei der kommunalen Flächenvergabe. Deshalb sollte die Waschbranche genau beobachten, was passiert, um schnell reagieren zu können und außerdem auf einen Dialog mit der Politik setzen. Denn wer sich frühzeitig einbringt, kann mitgestalten. Wer dagegen abwartet, muss oft nachjustieren.
Ökonomie
Grundstücke werden immer knapper und damit teurer. Vor allem im urbanen Umfeld. Besonders für Waschstraßen ist das ein Problem. Die Lösung liegt laut Studie in Konzepten, durch die Waschanlagen in größere Immobilien-Projekte integriert werden. In Verbindung mit Supermärkten, Werkstätten, Gastronomie oder Fitness-Studios. Das ermöglicht mehr Effizienz der Fläche und höhere Renditen. Aufgrund der auseinandergehenden sozialen Schere sollten sich die Betreiber außerdem klar positionieren. Wer Premium-Qualität anbietet, muss diesen Ansatz konsequent durchziehen. Wer auf hohe Stückzahlen und günstige Preise setzt, braucht einen starken Standort und hohen Durchsatz.
Kundenverhalten

Foto: Gerhard Hörner
Digitale Nutzerführung, App-basierte Tarife, auf das Fahrzeug abgestimmte Programme sowie personalisierte Services: Dinge, die heute schon möglich sind, werden morgen selbstverständliche Standards sein. Dasselbe gilt für Abo-Modelle und Pay-per-Wash-Systeme. Interessant ist auch der Blick auf eine Zukunft, in der Fahrzeuge autonom fahren werden. In diesem langfristig gedachten Szenario wäre es durchaus vorstellbar, dass sich das fahrerlose Auto selbst eine geeignete Waschanlage sucht. Auch wenn bis dahin noch einige Zeit vergehen wird, ist es wichtig, dass die Branche ihren Kunden in der Gegenwart optimalen Service bietet – und sich gleichzeitig technisch optimal für die Zukunft rüstet.
Fahrzeug
Manche Pkw-Hersteller schreiben bereits vor, wie Autos zu reinigen sind. Das liegt zum Beispiel an neuen Lacken, die auf Temperatur und Chemie sensibel reagieren, zum anderen an Assistenz-Systemen und teilautonomen Funktionen. Um diesen vielfältigen Anforderungen gerecht zu werden, werden Waschanlagen mit immer mehr Sensorik und Elektronik ausgestattet. Die Betreiber sollten aber nicht nur die Technik verstehen, sondern auch die unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Kunden. Für viele Menschen ist das Auto weiterhin ein Symbol individueller Freiheit, für andere dagegen nur noch ein Gebrauchsgut. Das wirkt sich ebenso aufs Waschverhalten aus wie Abo-Systeme und Car-Sharing.
Arbeitsmarkt
Durch Anstieg des Mindestlohns ist Personal zur teuersten Ressource im Waschbetrieb geworden. Gleichzeitig sinkt die Zahl erwerbsfähiger Menschen. Zudem wird Zugang zu Arbeitskräften eingeschränkt. Deshalb ist die Branche gezwungen, mit weniger Personal auszukommen. Die Mitarbeiter, die aber dort tätig sind, sollten neben der Technik auch die Kunst der Kundenansprache beherrschen. Dafür müssen sie geschult, qualifiziert und, ganz wichtig, motiviert werden. Zum Beispiel durch hybride Vergütungs-Systeme (Kombination aus Fixum, Erfolgsbeteiligung und zusätzlichen Sozialleistungen), aber auch durch die Art der Arbeit, das Umfeld und entsprechende Wertschätzung der Geschäftsleitung.
Ökologie und Ressourcen

Foto: Gerhard Hörner
Wasser, Energie und Umweltverträglichkeit rücken immer mehr in den Fokus. Bis 2035 und 2045 werden diese Themen zu zentralen Erfolgsfaktoren für Anlagenbetreiber. Wer wirtschaftlich arbeiten will, muss Ressourcen effizient einsetzen, Kreislaufsysteme nutzen und Strom selbst herstellen. Ein besonders sensibles Thema sind die Kosten für Frischwasser und Abwasserentsorgung, die stetig steigen. Das muss nicht sein. Durch Rückgewinnung und Reinigung des Brauchwassers können Betreiber ihren Bedarf an Frischwasser senken – und damit auch die Betriebskosten. Wer frühzeitig investiert, hat wirtschaftlich und ökologisch die Nase vorn. Das gilt auch für Photovoltaikanlagen. Die Zukunfts-Studie zeigt, dass die gewerbliche Autowäsche vor einem tiefgreifenden Wandel steht. Die Branche wird sich verändern – strukturell, technologisch und gesellschaftlich bedingt. Wer mithalten will, muss in smarte Steuerungen, Sensorik und Datenverarbeitung investieren. Außerdem rückt die Ökologie immer mehr in den Mittelpunkt. Von einer Revolution geht die Studie jedoch nicht aus. Das Grundprinzip der Wäsche bleibt erhalten – basierend auf dem Sinnerschen Kreis aus Chemie, Mechanik, Zeit und Temperatur.
Interview mit Georg Huber

Foto: Gerhard Hörner
Herr Huber, welche der neun Faktoren, die Sie in Ihrer Studie „Zukunft der Autowäsche“ nennen, haben den größten Einfluss aufs Waschgeschäft?
Georg Huber: „Es geht weniger um den Einfluss, sondern mehr um die Folgen, die wir ableiten können, wenn sich Faktoren verändern. Eine ganz wichtige Rolle spielt die Technologie. Sie hat sich schon in den vergangen zehn Jahren sehr verändert. Diese Entwicklung wird sich in den nächsten 20 Jahren noch viel stärker fortsetzen. Auf solche Herausforderungen freue ich mich. Dabei denke ich an den Einsatz künstlicher Intelligenz, die es beispielsweise ermöglicht, Fahrzeuge anhand von Modell, Baujahr und Farbe zu identifizieren statt mit der Kundekarte. Ein weiteres wichtiges Thema ist das autonome Fahren. Vielleicht schicken manche Halter in Zukunft ihr Auto dann in die Waschanlage, wenn sie es gerade nicht brauchen.“
Welche Szenarien erwarten Sie im Bereich Zahlungssysteme?
Huber: „Dort rechnen wir mit einem tiefgreifenden Wandel. Derzeit werden rund 60 Prozent der Wäschen bar bezahlt. Diese Zahl dürfte mittelfristig deutlich sinken. Dagegen werden digitale Bezahlmethoden über App, NFC, QR-Code oder In-Car-Payment an Bedeutung gewinnen. Ebenso wie Flatrate-Modelle, Abo-Angebote oder Lösungen für Firmenkunden. Aber auch 2045 wird es noch Kunden geben, die Barzahlung bevorzugen.“
Wie wirken sich Preiserhöhungen auf das zukünftige Waschverhalten aus?
Huber: „Vor einigen Jahren haben wir diskutiert, ob wir die Grenze von zehn Euro überschreiten können, inzwischen kostet schon die Basiswäsche teilweise 50 Prozent mehr. Aufgrund des starken Anstiegs der Verbraucherpreise in allen Bereichen dürfen auch wir die Waschpreise anpassen. Generell wird das von den Kunden akzeptiert, wenn man ihnen neben einem sauberen Auto einen tollen Service bietet und sie höflich und freundlich behandelt. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation verstehe ich aber, dass manche Menschen die Autowäsche als Luxusgut betrachten. Wenn ein Kunde 25 Euro bezahlen muss, schließe ich nicht aus, dass ihm seine Frau hinterher den Kopf wäscht.“
Text: Gerhard Hörner


