
Grafik: „infoRoad GmbH“ / „Clever Tanken
Die Kraftstoffpreise in Deutschland sind im März massiv gestiegen und haben das höchste Niveau seit dem Frühjahr 2022 erreicht. Wie die aktuelle Auswertung des Verbraucherinformationsdienstes „Clever Tanken“ zeigt, verteuerten sich sowohl Benzin als auch Diesel deutlich. Eine spürbare Entlastung durch die zum 1. April gestartete Tankpreisbremse ist nach Einschätzung des Unternehmens jedoch nicht zu erwarten.
Im März lag der bundesweite Durchschnittspreis für Super E10 bei 2,0114 Euro pro Liter – ein Anstieg von rund 25,91 Cent gegenüber Februar. Für Autofahrer bedeutete das Mehrkosten von über 60 Euro bei vier Tankfüllungen à 60 Liter.
Noch stärker fiel der Preisanstieg beim Diesel aus: Hier kletterte der Durchschnittspreis auf 2,1542 Euro je Liter – rund 43,65 Cent mehr als im Vormonat. Damit erreichte Diesel den höchsten Wert seit Beginn der monatlichen Auswertungen von „Clever Tanken“.
Auffällig: Diesel war im März im Schnitt 14,28 Cent teurer als Super E10 – trotz steuerlicher Vorteile. Im Februar lag Benzin noch vor Diesel. Die Preisschere hat sich somit deutlich zulasten von Dieselfahrern verschoben.
Geopolitik treibt Preise nach oben
Hauptursache für den starken Preisanstieg sind deutlich gestiegene Rohölpreise infolge geopolitischer Spannungen. Insbesondere die Eskalation im Nahen Osten seit Ende Februar hat die Märkte unter Druck gesetzt. Für die Nordseesorte Brent wurden zeitweise mehr als 112 US-Dollar pro Barrel erreicht – ein Niveau wie zuletzt zu Beginn des Ukrainekriegs.
Ein zentraler Faktor: die Blockade der Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent der weltweiten Öllieferungen transportiert werden. Hinzu kommen Produktionsausfälle, Angriffe auf Energieinfrastruktur sowie gestiegene Transport- und Versicherungskosten.
Warum Diesel stärker betroffen ist
Dass Dieselpreise stärker steigen als Benzinpreise, hat strukturelle Gründe. Während Benzin stärker regional gehandelt wird, ist Diesel bzw. Gasoil Teil eines globalen Marktes. Lieferengpässe wirken sich hier schneller und intensiver aus.
Zudem ist Europa beim Diesel stärker auf Importe angewiesen, insbesondere aus der Golfregion. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage hoch – nicht nur im Straßenverkehr, sondern auch in Industrie, Bau und Logistik.
Ein zusätzlicher Preistreiber ist der sogenannte Fuel-Switching-Effekt: Bei hohen Gaspreisen weichen Unternehmen auf Ölprodukte wie Diesel aus, was die Nachfrage weiter erhöht.
Tankpreisbremse ohne spürbaren Effekt
Mit Blick auf die am 1. April eingeführte Tankpreisbremse zeigt sich „Clever Tanken“ skeptisch. Geschäftsführer Steffen Bock spricht von einem „geopolitischen Preisschock“, auf den nationale Maßnahmen kaum Einfluss hätten.
Auch langfristig sieht er die Regulierung kritisch: Wenn Preiserhöhungen nur noch einmal täglich erlaubt sind, könne dies die Wettbewerbsdynamik reduzieren. Die Folge könnten stabilere, aber tendenziell höhere Preise sein.
Zudem dürfte sich das günstigste Zeitfenster künftig stärker eingrenzen – vermutlich auf die Stunden vor der täglichen Preiserhöhung am Vormittag.
Große Preisunterschiede zwischen Städten
Im Vergleich der 20 größten deutschen Städte zeigte sich erneut Bochum als günstigste Tankstadt – sowohl bei Super E10 (1,9868 Euro pro Liter) als auch bei Diesel (2,1378 Euro pro Liter). Am teuersten war Super E10 im März zum fünften Mal in Folge in Frankfurt am Main (2,0316 Euro pro Liter).
Bei Diesel lag Leipzig weiterhin an der Spitze der teuersten Städte (2,1797 Euro pro Liter) und gehört seit 16 Monaten durchgehend zu den drei hochpreisigsten Standorten.
Der Unterschied ist spürbar: Vier Tankfüllungen kosteten in Frankfurt im Schnitt rund 10,75 Euro mehr als im günstigsten Bochum.
Teuerster Tanktag am Monatsende
Die Preise entwickelten sich im Monatsverlauf deutlich nach oben. Am günstigsten war Tanken am 1. März – an diesem Tag kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Durchschnitt rund 1,7850 Euro und ein Liter Diesel rund 1,7450 Euro.
Hingegen wurden am 31. März die höchsten Preise erreicht – Für den Liter Super E10 zahlten Kunden durchschnittlich 2,0960 Euro, für den Liter Diesel rund 2,3050 Euro.
Ausblick: Preise bleiben unter Druck
Sollte sich die geopolitische Lage im Nahen Osten nicht entspannen, rechnet „Clever Tanken“ auch im April mit weiter steigenden Preisen. Selbst bei einer Beruhigung der Rohölmärkte dürfte die Tankpreisbremse laut Einschätzung des Unternehmens kaum zu sinkenden Preisen führen.
Für Verbraucher bedeutet das: Der Preisvergleich bleibt entscheidend – trotz regulatorischer Eingriffe.


