
Foto: TOTALEnergies Charging Solutions Deutschland GmbH/Max Lautenschlaeger
Ein Angebot für Elektro-Fahrer an der eigenen Tankstelle zu schaffen, ist eine Kosten- und Platz-Frage. Welche Möglichkeiten es auch ohne Netzausbau gibt und wo die nächsten Ladehubs entstehen, beleuchtete die „tankstelle“ im Titelthema ihrer Dezember-Ausgabe 2025 mit einigen Experten. Einer von ihnen ist Jan Petersen, Geschäftsführer der „TotalEnergies Charging Solutions Deutschland GmbH“. Lesen Sie hier das ausführliche Interview.
- Sie bezeichnen den BER-Standort als Ihren ersten Flagship-Hub in Deutschland. Wie viele weitere solcher großen Ladehubs plant „TotalEnergies“ in den kommenden Jahren und welche strategischen Standorte stehen dabei im Fokus – werden Sie sich weiterhin auf Verkehrsknotenpunkte wie Flughäfen und Autobahnen konzentrieren?
Jan Petersen: Wir werden den Bau großer Ladehubs an zentralen Verkehrsknotenpunkten selektiv weiterentwickeln. Aktuell planen wir in Berlin am Museum Hamburger Bahnhof einen ähnlichen Standort. Die neue Ladestation entsteht in unmittelbarer Nähe des Berliner Hauptbahnhofs und richtet sich sowohl an Gewerbetreibende wie Taxifahrer, als auch an Privatpersonen, die Reisende zum Bahnhof bringen, von dort abholen oder auch das Museum für moderne Kunst im alten Hamburger Bahnhof besuchen.
- Mit 400 Kilowatt Ladeleistung setzen Sie bereits auf sehr hohe Standards. Wie sieht Ihre technologische Roadmap aus – planen Sie in naher Zukunft noch höhere Ladeleistungen und wie bereiten Sie sich auf neue Fahrzeugtechnologien vor, etwa im Bereich autonomer oder wasserstoffbetriebener Fahrzeuge?
Jan Petersen: Wir installieren an unseren Ladehubs aktuell Ladesäulen mit Leistungen von 50 bis 400 Kilowatt, in Abhängigkeit von der verfügbaren Netzleistung und der Verweildauer der Autos auf dem Parkplatz. Dabei geht die Tendenz klar zu den höheren Ladeleistungen. Noch höhere Leistungen als 400 Kilowatt sind perpektivisch zum Beispiel am BER möglich, aber zurzeit nicht flächendeckend geplant.
Stromversorgung aus eigener Produktion
- Der BER-Hub wird vollständig mit erneuerbaren Energien versorgt und verfügt über eigene Solarmodule. Wie wollen Sie sicherstellen, dass auch bei einer schnellen Expansion Ihres Ladenetzes die Versorgung mit grünem Strom gewährleistet bleibt, und welche Rolle spielt dabei die lokale Energieerzeugung an den Standorten?
Jan Petersen: Parallel zum Verkauf unseres Tankstellennetzes haben wir in Deutschland intensiv in den Ausbau unseres integrierten Stromgeschäftes investiert. Wir entwickeln Wind- und Solarenergie sowie Batteriespeicher und sind über unser Tochterunternehmen „Quadra“ auch im Stromhandel tätig. So können wir aus eigener Produktion sicherstellen, dass unsere Ladesäulen komplett mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen versorgt werden.
- Werden Sie weiterhin auch Ladestationen auf Supermarkt-Parkplätzen errichten, wie beispielsweise bei „Penny“ in Rastatt?
Jan Petersen: Ja, denn wir wollen überall dort attraktive Ladeoptionen schaffen, wo unsere Kundschaft das Laden ihres Fahrzeugs nahtlos in den Alltag integrieren kann. Neben unserer Kooperation mit den Supermärkten der „Rewe Group“ setzen wir auch auf Ladeangebote an Einkaufszentren. In Brandenburg haben wir zuletzt am Kaufpark Eiche sowie am Havelpark Dallgow insgesamt 40 neue Ladepunkte für E-Autos installiert.
- Tankstellenbetreiber sind traditionell vorsichtig bei neuen Technologien – welche Garantien und Servicemodelle bieten Sie an, um das Investitionsrisiko zu reduzieren? Und arbeiten Sie mit etablierten Partnern aus der Energiebranche zusammen, um Vertrauen bei konservativen Entscheidern zu schaffen?
Jan Petersen: Aus unserer Sicht ist die künftige Rolle der klassischen Straßentankstelle innerhalb der Ladeinfrastruktur fraglich. Bei „TotalEnergies“ liegt unser Fokus auf der Entwicklung des Ladeangebots an zentralen Verkehrsknotenpunkten, an Einkaufszentren und Firmenstandorten sowie insbesondere im Kontext des Deutschlandnetzes. In dessen Rahmen errichten wir bundesweit 1.100 Schnellladepunkte im ländlichen, suburbanen und urbanen Raum sowie 166 Schnellladepunkte an unbewirtschafteten Rastanlagen entlang der Autobahn.
Text: Lisa Levy


