5 Fragen an… Arnaud Bouffard, Project Director, “European Clean Transport Network”

Arnaud Bouffard, Project Director, “European Clean Transport Network”
Foto: Patrick Lazic

„Ceva Logistics“, „Engie“ und „Sanef“ bilden die ECTN-Allianz. Das Bündnis hat vor einigen Monaten auf einer über 900 Kilometer langen Strecke zwischen Avignon und Lille ein Pilotprogramm zur Demonstration des ECTN-Konzeptes gestartet.

Herr Bouffard, wie genau funktioniert eine Relais-Station für Lkw auf der Strecke zwischen Avignon und Lille?

Die Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs ist eine der drängendsten Herausforderungen unserer Branche. Mit der Gründung der ECTN-Allianz und der Entwicklung des Pilotprojekts wollten wir eine Lösung präsentieren, die schnell, einfach und in großem Maßstab umsetzbar ist. Es geht uns darum, tatsächlich etwas zu bewirken und um die Transformation der Branche.

Wir haben uns bei der Entwicklung des Projekts am Vorbild der alten Poststationen orientiert, bei denen Pferde eingesetzt wurden. Die Strecke auf der Achse Avignon-Lille wurde in vier Autobahnabschnitte unterteilt, mit insgesamt fünf Relaisstationen am Ende jedes Segments: Avignon (Vaucluse) – Lyon (Rhône) – Dijon (Côte-d’Or) – Sommesous (Marne) – Lille (Nord).

Welche Ausstattung finden Lkw-Fahrer dort vor?

Diese Relaisstationen sind jeweils mit leistungsstarken (>300 kW) elektrischen Ladestationen ausgestattet. Jedes Fahrzeug auf unserer Teststrecke fährt zweimal täglich zwischen zwei dieser Stationen hin und her. Dabei werden die Anhänger abgekoppelt und an die Zugmaschine des nächsten Segments angekoppelt. Auch in Avignon, Dijon und Lille werden die Fahrer gewechselt und die Zugmaschinen an neue, ausgeruhte Fahrer übergeben. Auf diese Weise wird die kontinuierliche Bewegung der Zugmaschinen und Anhänger unter Einhaltung der gesetzlichen Ruhezeiten für die Fahrer gewährleistet. Für die Fahrer bietet das Konzept außerdem den Vorteil regelmäßiger Arbeitszeiten und einer geringeren Entfernung zum eigenen Wohnort.

Zusätzlich zu unseren Relaisstationen verfügen wir über einen Kontrollturm in Paris, der es uns ermöglicht, Verkehrsströme, Fahrzeiten und Energieverbrauch in Echtzeit zu überwachen und die Daten zur Systemoptimierung und Servicequalität auszuwerten.

Große CO2-Einsparungen möglich

Die Lösung der ECTN Alliance kann auch auf europäischer Ebene eingesetzt werden, wenn sich das Konzept bewährt. Gibt es bereits Pläne, die Relais-Stationen auch an anderen Orten zu installieren?

Mit unserem Projekt haben wir über den Zeitraum von sechzehn Monaten bewiesen, dass große CO2-Einsparungen durch die smarte Gestaltung von Infrastruktur und Betrieb möglich sind und dass wir mit innovativen Ideen und effizienter Nutzung unserer Fahrzeuge bereits heute wichtige Schritte in eine nachhaltige Zukunft gehen können. Gemeinsam mit unseren Partnern Engie, die einige der elektrischen Ladestationen und Biogaspumpen auf unserer Route betreiben und Sanef, einem Autobahnbetreiber, der die 1.807 Kilometer Autobahnen in Nordfrankreich verwaltet, haben wir unsere Expertise gebündelt und mit der ECTN-Allianz beispielhaft gezeigt, was heutzutage möglich ist – und wie wir damit den Fernlastverkehr in Europa nachhaltiger gestalten können.

Was ist nötig, um die Lösung auf europäischer Ebene umzusetzen?

Mit der Strategieberatungsfirma „Carbone 4“ haben wir eine Machbarkeitsstudie umgesetzt, die klar zeigt, dass unser System auf europäischer Ebene repliziert werden könnte. Insgesamt würde dies für Europa ein Netz aus 190 Terminals bedeuten, was je einer Ladestation nach 300 Kilometern entspricht. Wir sehen eine solche Umsetzung in größerem Maßstab als wesentlich, um die großen Herausforderungen der Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs zügig anzugehen. Bei einer europäischen Umsetzung bedarf es hier der Zusammenarbeit aller Akteure und der Unterstützung der öffentlichen Hand.              

Welche Umgebung erwartet Lkw-Fahrer, wenn Sie an der Relais-Station halten?

Unser ECTN-Pilotprojekt baut auf der bereits vorhandenen Infrastruktur auf (eine Autobahnraststätte und vier CEVA Logistics-Standorte), wo Rastplätze für die Fahrer zur Verfügung stehen. Im Anschluss an das Pilotprojekt wird die europaweite Einführung des ECTN-Konzepts die Entwicklung flächeneffizienter (keine Übernachtungen, Sattelzugmaschinen laden alleine auf), autobahnnaher Relaisstationen umfassen, entweder auf bestehenden Autobahnraststätten oder an neuen Standorten. In beiden Fällen wird besonders darauf geachtet, dass es Bereiche gibt, in denen sich die Fahrer ausruhen können, bevor sie wieder auf der Straße fahren.

Text: Lisa Levy

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