
Foto: Circana
Schnell, günstig, to go: Wie Tankstellen die Gewinner im Snack-Geschäft werden: Dieses Interview mit Jochen Pinsker, Industry Advisor Foodservice Europe bei „Circana“, erschien in „tankstelle“ 03 (16.02.2026).
- Herr Pinsker, Ihre Daten zeigen, dass günstigere Segmente stark von Trading-Down-Effekten profitieren und gastronomische Angebote im Handel zulegen, während die Bediengastronomie verliert. Tankstellen positionieren sich genau in diesem günstigen Segment. Wie können Tankstellenbetreiber diese Entwicklung bei Süßwaren und salzigen Snacks konkret für sich nutzen? Welche Preislagen und Produktformate funktionieren hier aktuell am besten?
Jochen Pinsker: Beim Impulsgeschäft – also bei denjenigen die die Tankstelle nicht wegen eines Snacks anfahren, sondern um zu tanken – geht es in erster Linie um die richtige Positionierung und Sichtbarkeit aber auch um entsprechende Bewerbung, zum Beispiel der Verkauf als Kombi-Menüs. Für Verbraucher, die mit dem Ziel kommen, einen Snack zu kaufen, ist es wichtig zu verstehen, warum sich die Käufer genau für die Tankstelle entscheiden: In der Regel ist das die ‚gute Lage‘ sowie der schnelle Service. Es sollte also in allen Preislagen ein attraktives Angebot bestehen, wichtig ist die schnelle Verfügbarkeit und vor allem Verpackung und Mitnahmefähigkeit, da die Produkte oft unterwegs beziehungsweise im Auto konsumiert werden sollen.
Mitnahmeprodukte abends: eher herzhaft, gerne warm
- Ihre Präsentation zeigt, dass Bäckereien besonders von 17 bis 19 Uhr noch großes Potenzial haben und dass der Marktanteil abends nur bei 6 Prozent liegt. Tankstellen haben ja gerade zu diesen Zeiten geöffnet und profitieren vom Feierabendverkehr. Welche Snack-Kategorien – süß oder salzig – bieten hier die größten Chancen? Und wie sollten Tankstellen ihr Sortiment für diese Tageszeiten optimieren?
Jochen Pinsker: Gerade wenn es um das Take-Away-Geschäft um diese Zeit geht, dann muss man wissen, es sind oftmals Produkte, die zur Mitnahme nach Hause gedacht sind. Die bevorzugten Produkte sind abends eher herzhaft und können gerne warm sein. Die Alternativen für die Verbraucher sind oftmals Angebote von Fast-Food-Anbietern, italienischen oder türkischen Imbissen. Wichtig ist aber auch hier: schneller und einfacher Service und insbesondere auch eine gute Verpackungsmöglichkeit.
- Sie nennen „Solo Dining“ als einen der langfristigen Wachstumstreiber mit +89 Prozent zwischen 2010 und 2019. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Mitnahme-Produkten auf 56 Prozent. Wie können Tankstellen mit ihrem Snack-Angebot von diesem Trend profitieren? Welche Portionsgrößen, Verpackungsformate und Produktkombinationen sind für den Allein-Konsumenten unterwegs besonders relevant?
Jochen Pinsker: Der Trend des ‚Solo-Dining‘ ist eine sehr wichtige Entwicklung, die jedoch insbesondere für den Verzehr vor Ort, also für die Bediengastronomie zu größeren Herausforderungen führt. Für die Tankstelle ist das eigentlich schon jetzt ‚business-as-usual‘. Die Tatsache, dass mehr Menschen allein unterwegs sind, ist für sich eine Chance für gastronomische Angebote von der Tankstelle, da ein schneller und einfacher Service wesentliche Auswahlkriterien sind.
Interview: Lisa Levy


