Diesel-Drama: TIV fordert klare Kante von der Bundesregierung

Der Tankstellen Interessenverband (TIV) nimmt Stellung zur Diesel-Thematik. In der folgenden Pressemeldung fordert der Verband die Politik auf, die Autoindustrie zu einer groß angelegten Auto-Umtausch-Aktion zu zwingen.

Peter Hengstermann, Vorsitzender TIV

Dr. Jochen Wilhelm, Geschäftsführer TIV

"Mit zunehmender Aufgebrachtheit verfolgt der Tankstellenverband (TIV) die aktuelle Diskussion um das Dieselthema und das politische Gezerre im Nachgang zu dem sogenannten Diesel-Gipfel. Der TIV sieht weder die Interessen der Autobesitzer noch die der mittelständischen Tankstellenbetreiber in dem gesamten Bazar-Gefeilsche wer, was oder wieviel bezahlt, angemessen berücksichtigt.

Der TIV fordert die Politik auf, die Autoindustrie zu einer groß angelegten Auto-Umtausch-Aktion zu zwingen. „Auf einen groben Klotz gehört jetzt ein grober Keil“, so der Vorsitzende und der Geschäftsführer des TIV , Peter Hengstermann und Dr. Jochen Wilhelm, übereinstimmend.

Zur Erinnerung, der sogenannten Diesel-Gipfel von Berlin hat folgendes ergeben: - Diesel-Fahrverbote sollen vermieden werden (TIV-Anmerkung: Prima, das finden wir vom TIV auch!). - Derzeit drohen Diesel-Fahrverbote (besonders für die Schadstoffklassen Euro 1 bis Euro 4) in folgenden Städten: München, Stuttgart, Köln, Reutlingen, Düren, Hamburg, Limburg/Lahn, Düsseldorf, Kiel, Heilbronn, Darmstadt, Bochum und Ludwigsburg. In diesem Großregionen – und nur dort – soll die Autoindustrie nach dem Willen der Bundesregierung technische Nachrüstung anbieten (TIV-Anmerkung: Leider ist die Technik noch gar nicht ausgereift und die Einbauten sind technisch schwierig. Frühestens in einem Jahr könnten Nachrüstungen flächendeckend in diesen Großregionen möglich sein).

- Am besten sollen die Diesel-Fahrer ein neues Auto kaufen, meint die Autoindustrie und bietet an, die im Wert weit zurückgefallenen Diesel-Autos in Zahlung zu nehmen und sagt bei jedem Auto-Neukauf noch einen Prämien-Abschlag von bis 10.000 Euro zu. (TIV-Anmerkung: Prämien liegen in den normalen Werbung schon über 5000 Euro. Die Sache mit den Prämien ist Marketing in neuen Kleidern).

- Die Städte und Gemeinden sollen mit geschicktem Verkehrsmanagement und mit der Umrüstung des städtischen Fuhrparks (TIV-Frage: Wer zahlt das eigentlich?) das Problem möglich soweit entschärfen, dass keine Diesel-Fahrverbote aus gesundheitlichen Gründen zwingen nötig und verfügt werden.

Es ging bei diesem Gipfel offenkundig also in erster Linie darum, wie eine Autoindustrie, die in Sachen Diesel betrügerisch agiert hat, möglichst glimpflich, am besten noch mit neuen Geschäftsperspektiven aus der Geschichte heraus kommen. In zweiter Linie ging es um die Gesundheit der Menschen in den betroffen Regionen. Gar nicht ging es um die mittelständischen Tankstellenbetreiber und deren Beschäftigte, die abends, nachts und an Wochenenden Mobilität ermöglichen.

Deutschland hat eine Bevölkerung von rund 82 Mio. Menschen. In Deutschland stehen 14.000 Tankstellen. Rein rechnerisch kommt eine Tankstelle auf 5.900 Menschen. In den von Diesel- Verboten bedrohten Ballungsräumen leben zusammengerechnet rund 6,8 Mio. Menschen. Rein rechnerisch ergibt sich daraus, dass von möglichen Diesel-Fahrverboten rund 1.100 Tankstellen betroffen sind, die im Fall eines Verbots mit herben Umsatzeinbußen rechnen müssten. Wenn demnächst Berlin noch dazu kommt erhöht sich diese Zahl deutlich. Dies würde zwangsläufig Arbeitsplätze gefährden. Eine Tankstelle beschäftigt im Schichtbetrieb in Voll- und Teilzeit im Schnitt neun Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ergo, sind schon heute potentiell über 10.000 Jobs von möglichen Diesel-Fahrverboten betroffen.

Der TIV fordert von der Politik endlich eine klare Kante. Dies hätte ganz nebenbei auch den Charme, dass das politische Establishment dem Populismus wenigstens dieses Feld nicht überlassen würde. Klare Kante heißt im Fall des Diesel-Skandals das Erzwingen einer Umtausch-Option für jeden Diesel-Fahrer, der das wünscht. Jeder, der einen Diesel besitzt, soll sich den Wert, den sein Wagen beim Bekanntwerden des Diesel-Skandals hatte, auf einen Neuwagen seiner Wahl aus dem Sortiment des Herstellers anrechnen lassen können. Wer will, kann was drauflegen und ein hochwertigeres Auto kaufen oder wer möchte kann auch ein kleineres Modell erstehen und lässt sich dann die Differenz zum Wert seines alten Diesel ausbezahlen. Die bisherigen Wertverluste durch den Skandal schlagen dabei nicht zu Buche.

Ab Schadstoffklasse 5 und höher muss es als Alternative eine Umrüstung geben und zwar auf Kosten der Autoindustrie. Der ADAC und andere Experten haben getestet und kommen zu dem Ergebnis, dass bei diesen hohen Schadstoffklassen, also bei bereits guten Filteranlagen, ab Norm Euro 5 die Umrüstungspakete hervorragend arbeiten, gut einbaubar sind und dass eben nur die Anerkennung seitens der Autoindustrie fehlt. Zudem halten sich die Kosten der Umrüstung bei diesen noch ziemlich neuen Diesel-Autos mit 1500 bis 1800 Euro im Rahmen.

Eine Autoindustrie, die Milliarden-Gewinne ausweist, sollte diese Umrüstungen aus der Portoklasse zahlen können, zumal die Technologie rund 90 Prozent der Schadstoffe ausfiltert. Aus Sicht des TIV ist die Bocksbeinigkeit der Automobilkonzerne nichts anderes als eine perfide Marketing-Strategie auf dem Rücken von Menschen und deren Gesundheit. Und die Politik macht den Tanzbären.

Es muss gelten: Umtausch-Option für alle Diesel-Fahrzeuge ohne Wertverlust und Nachrüstungsoption für Diesel neuerer Bauart. So kommen sauberer Autos auf die Straße und Fahrverbote erübrigen sich – im Interesse aller. Dass freilich die Autoindustrie zahlen muss, ist klar.

Betrüger zahlen üblicherweise mindestens eine Geldstrafe."